Facebook Connect: Oculus Quest 2 mit XR2 für 299 Dollar offiziell angekündigt – nur nicht in Deutschland

Nach den sich verdichtenden Hinweisen nur bedingt überraschend, trotzdem extrem interessant: Oculus Quest 2 erscheint für 299 US-Dollar mit beeindruckender Technik.

Update 18. September:

Wir haben Kontakt zu Oculus aufgenommen und wegen des unklaren Starts der Oculus Quest 2 in Deutschland nachgefragt. Die Antwort ist wenig erfreulich: Wahrscheinlich werden wir im Oktober keine Quest 2 und damit überhaupt kein Oculus-Produkt mehr in Deutschland kaufen können.

Nach der Nachricht, dass Facebook den Verkauf von Oculus in Deutschland vorübergehend pausiert, wird sich der Start der Quest 2 in Deutschland verzögern. Wir wissen, dass dies eine Unannehmlichkeit darstellt, und wir hoffen, den Kunden in Deutschland auch in Zukunft neue Virtual-Reality-Erlebnisse bieten zu können.

Im Gegenzug gibt es aber auch gute Nachrichten: Der Kundensupport von Oculus meldet, dass sich importierte Quest 2 auch mit einem deutschen Konto aktivieren lassen. Ihr könnt euch eure Quest 2 also bedenkenlos bei Amazon Frankreich oder Spanien bestellen. Oculus übernimmt in diesem Falle aber keine Garantieleistungen und Support, bei Problemen ist der Verkäufer euer Ansprechpartner. Kauft also tatsächlich lieber bei Amazon und anderen seriösen Shops statt bei unbekannten Händlern.

Ursprüngliche News:

Die Keynote der Facebook Connect bringt neue Hardware: Neben Facebooks Plänen im Bereich AR wurde auch die Oculus Quest 2 offziell angekündigt – vorbestellbar ab sofort ab 299 US-Dollar.

Wie bereits die Leaks der letzten Woche angedeutet haben, setzt Oculus beziehungsweise Facebook Reality Labs auf Qualcomms speziell für VR-Zwecke entwickelten XR2-Prozessor. Dieser bietet bei der reinen Rechenleistung etwa die doppelte Performance im Vergleich zum Snapdragon 835 der Oculus Quest 1. Noch schneller ist XR 2 bei Einzeldisziplinen wie KI-Berechnungen.

XR2 basiert auf Qualcomms ARM-Prozessoren und wurde um zusätzliche Einheiten für Video Kompression- und Dekompression, KI, Audio und WLAN erweitert. Soweit nicht ungewöhnlich für ARM-SoCs, ähnliches findet sich in jedem Smartphone. Neu bei XR2 ist aber, dass die Zusammenstellung speziell für den Einsatz in VR-Hardware angepasst wurde.

Die hohe Leistung wird aber auch benötigt, da Oculus der Quest 2 ein Single-LCD mit einer Auflösung von 1832×1920 Pixeln pro Auge gönnt. Trotz des einzelnen Displays realisiert das Unternehmen eine Einstellung für die IPD über sich bewegende Linsen. Und ja, LCD und kein OLED – was aber auch eine höhere Dichte an Subpixeln gegenüber einem Pentile-OLED bedeutet und für eine sehr gute Bildschärfe spricht wenn nativ angesprochen. Die Wiederholrate liegt anfangs bei 72 Hz, soll später aber auf 90 Hz angehoben werden.

MRTV hat einen VR-Roundtable veranstaltet um gemeinsam die Keynote zur Facebook Connect zu schauen – hier gibt es alle Infos.

Geringeres Gewicht, niedriger Preis – aber vorerst nicht in Deutschland

Das Gesamtgewicht der VR-Brille wurde gegenüber dem Vorgänger um etwa 10% auf 503 Gramm gesenkt, allerdings setzt Oculus in der Grundvariante auf das eher labberige Strap der Oculus Go. Hochwertigere Straps gibt es, allerdings nur optional und gegen Aufpreis. Mit dabei ist endlich auch ein Headstrap mit integriertem Akku – was zudem das Gewicht der Brille besser auf dem Kopf verteilen dürfte und Druck vom Gesicht nimmt.

Direkt verfügbar ist Oculus Quest 2 nicht, Facebook nimmt Vorbestellungen entgegen. Der Releasetermin der Quest 2 ist „später im Jahr“, genauer am 13. Oktober 2020. Es gibt zwei Varianten: für 299 US-Dollar mit 64 Gigabyte, für 399 US-Dollar mit 256 Gigabyte. Dazu addieren sich unter Umständen 49 Dollar für den Elite-Strap beziehungsweise 129 Euro für den Akku-Strap.

Wollen wir aber auf Oculus.com eine Quest 2 aus Deutschland vorbestellen, erwartet uns leider nur folgende Meldung: „Wir haben den Verkauf von Oculus-Geräten an Verbraucher in Deutschland vorübergehend eingestellt. Wir unterstützen weiterhin Anwender, die bereits ein Oculus-Gerät besitzen, und freuen uns darauf, den Vertrieb in Deutschland bald wieder aufzunehmen.“ 

Offenbar betrifft der Verkaufsstop, der zuletzt mit Oculus Rift S und Quest eingeführt wurde, auch die Oculus Quest 2. Facebook meldete zudem, dass sich im Ausland erworbene Hardware „unter Umständen“ in Deutschland nicht aktivieren ließe. Damit wäre ein Import ein eher riskantes Unterfangen.

Oculus Quest 2 benötigt zum Login übrigens erstmals verpflichtend ein Facebook-Konto. Eventuell einer der von Facebook zu klärenden Punkte vor einem Erscheinen in Deutschland.

Oculus Quest 2 lässt sich aus Deutschland nicht vorbestellen

Neue Software für Quest 2

Natürlich geht ein Hardwarelaunch auch mit neuer Software einher. Facebook konzentriert sich zwar stark auf Horizon, das sich immer noch in der invite-only-Beta befindet. Zu sehen war aber das Battle Royale Population One, das sich augenscheinlich stark an Fortnite orientiert.

 

Spannender aber: Beat Saber Multiplayer wurde ebenfalls angekündigt. Am 13. Oktober gibt es das Update für das Spiel, passend zur Quest 2.

Von Crytek gibt es The Climb 2, wie bereits auf den geleakten Fotos der Verpackung der Quest 2 zu sehen war. Spannend sind auch die eher nebenbei angekündigten weiteren Titel wie Pistol Whip 2089, Sniper Elite VR und eine Umsetzung von Saints&Sinners.

Oculus Rift scheint tot zu sein

Von Nachfolgern der Oculus Rift S gab es hingegen nichts zu sehen. Facebook und Oculus konzentrieren sich aktuell komplett auf die Quest 2 und bewerben sich dank Link-Feature auch direkt als PC-Headset. Mit dem Verschwinden der Rift S aus den Händlerregalen dürfte diese Produktlinie wohl (vorerst?) gestorben sein.

Was ist eure Meinung zur Quest 2 und der Tatsache, dass die VR-Brille ausgerechnet in Deutschland nicht vorbestellbar ist?

Update: Carmack plaudert

Ebenfalls im Rahmen der Facebook Connect gab es in der Nacht einen freien Talk von John Carmack via Venues und Youtube. Dort sprach der ehemals für Doom und Quake und später dann für seine Softwarekünste bei Oculus bekannte Entwickler auch über die Oculus Quest 2.

So erfahren wir, dass die IPD-Einstellung in nur drei Stufen daher so starr ist, weil sie mit einem Single-LCD eine bessere Bildqualität erzielen konnten gegenüber zwei einzelnen Displays (warum sagt er nicht, eventuell gab es die gewünschte Qualität nicht in Form zweier kleinerer Displays). Sie wollten IPD-Einstellungen aber unbedingt an Bord haben, so verstellen sich die Linsen über dem Display. Was aber auch bedeutet, dass die weiteste IPD-Einstellung von 68mm bereits mit dem Verlust von etwas FoV einhergehen wird.

Zu den Kameras der Quest 2 sagt er, dass es im Großen und Ganzen die gleichen sind wie bei der ersten Quest. Interessanter wird es bei der Technik des Displays: Zu Release wird die Quest 2 aufgrund von im letzten Moment festgestellten Qualitätsproblemen mit 72 Hz ausgeliefert – ganz wie die erste Quest. 90 Hz sollen als experimentell gekennzeichnet sein, sich aber einstellen lassen. Später soll per Update 90 Hz zum Systemstandard werden. Theoretisch, so Carmack, wären sogar 120 Hz möglich, allerdings mit stärkerem Ghosting. Zudem sieht er nur bei wenigen Spielen die Möglichkeit, auch mit 120 FPS zu rendern.

Der XR2-Chip wird laut Carmack nicht mit der maximal möglichen Taktrate genutzt – es wäre mehr Leistung vorhanden, dann würde sich allerdings die Energieaufnahme vervierfachen – mit Auswirkungen auf Laufzeit und Wärmeentwicklung. Sie haben also versucht einen Sweetspot aus Leistung und Nachteilen zu finden. Dazu kommt, dass einer der Kerne des XR2 ein sogenannter Prime-Core ist, mit höheren Taktmöglichkeiten, Cache und Leistung. Allerdings stellte sich heraus, dass der Prime-Core schon aufgrund der größeren Caches auch mehr Strom verbraucht als die anderen Kerne. So wird eben dieser Hauptkern etwas niedriger getaktet um Energie zu sparen. Man sieht: Das Team bei Oculus hat sich viele Gedanken um die Energieaufnahme gemacht. 2-3 Stunden soll die Quest 2 durchhalten, zumindest ohne Akku-Strap. Zudem mehr Energie auch höhere Temperaturen bedeutet und er sich mit Schaudern an die aufgrund von Hitze herunterfahrenden GearVR erinnert.

Mit dem Einsatz des Fixed Foveated Rendering der Quest war Carmack nicht sehr zufrieden, viele Entwickler hätten es einfach hochgestellt und die schlechte Bildqualität ignoriert. Bei Quest 2 gibt es eine dynamischere Lösung, die bei hoher Auflösung dem SoC einen kleinen Boost gibt um größere Stufen des foveated Renderings zu vermeiden.

 

Tyriel Wood konnte die Quest 2 übrigens bereits seit zwei Wochen testen (hey Oculus, wir noch nicht..), hier im Video seht ihr seine Eindrücke:

 

Quelle: Oculus.com

 

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3 Kommentare

  1. Also ich finde die Entwicklung höchst beunruhigend. Erst der Facebook-Zwang, dann ein scheinbar top VR Headset zu einem fast schon unverschämt günstigen Pries… Nun habe ich gelesen, dass Ubisoft Assassins Creed VR und Splinter Cell VR angekündigt hat… auf der Facebook Connect! Und scheinbar wird mit Facebook zusammengearbeitet. Das könnte heißen, dass die Titel exklusiv für Oculus Brillen erscheinen?!
    Außerdem kündigte Facebook für 2021 Hightech-Datensammelbrillen an (hat nichts mit VR zu tun). Damit werden buchstäblich Leute in’s öffentliche Leben geschickt um alles mögliche aufzunehmen und zu scannen (inklusive „soziale Reaktionen“??).

    Wie auch schon bei den Oculus Spielen scheint Facebook mächtig in die VR zu investieren. Anfangs fand ich das auch super, da der Markt dadurch stark gewachsen ist. Auch war es nachvollziehbar, dass übermäßig viel Geld in AAA VR Spiele wie Lone Echo investiert wurde, da es sich durch den Verkauf der Hardware rentieren würde (ähnlich wie bei HL:Alyx).
    Aber bei 299$ Dollar für die Quest 2 und den neuen Nutzungsbedingungen sieht es stark danach aus, dass Datamining das
    *eigentliche* Geschäft dahinter ist. Und wenn dann noch mehr Partnerschaften (wie z.B. mit Ubisoft) entstehen, werden immer mehr Nutzer zu Facebook „gelockt“ und die Konkurrenz könnte sich im schlimmsten Fall nicht mehr halten.
    Sebastian macht ja fleißig auf die Problematik mit dem Sammeln von Daten aufmerksam, aber auf anderen englischen Kanälen hört man davon kein Wort. Da bin ich schon froh, dass die Regulierungsbehörden in Deutschland es Facebook nicht so leicht machen.

    • Okay, ich habe das mit den „Datensammelbrillen“ jetzt erst richtig verstanden. Die sollen angeblich nur ein „Vorgänger“ von einer kommenden, alltagstauglichen AR Brille werden. Über diesen Vorgänger sollen lediglich „Forschungsdaten“ für die eigentliche AR Brille gesammelt werden. Nun ja, ob das die ganze Wahrheit ist kann man glauben oder auch nicht…

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