Mad Box: Entwickler von Project Cars plant Next-Gen Konsole (unter anderem) für VR

Mad Box der Project Cars Entwickler

Die Slightly Mad Studios haben die Entwicklung einer Next-Gen-Konsole angekündigt, die mit allen PC VR-Headsets funktionieren soll.

Ein wenig verrückt klingt die Ankündigung von Slightly Mads Studiochef Ian Bell ja schon – andererseits passt es ja zum Firmennamen. Die Entwickler des vor allem auch bei VR-Fans sehr beliebten Project CARS wollen die leistungsstärkste Konsole auf den Markt bringen und, so Bell bei Twitter, „die Messlatte deutlich höher legen“. Zwar gibt es noch keine Hinweise auf die genutzte Hardware oder auch nur das Aussehen der Mad Box genannten Konsole, Bell verspricht aber explizit volle VR-Tauglichkeit.

In einer Twitter-Nachricht gibt Bell ein paar Teaser zur Mad Box: „Du willst 4K, du willst VR in 60 FPS?“ – in einer weiteren Nachricht heißt es, die  Mad Box werde „die meisten großen VR-Brillen“ unterstützen und wie ein sehr schneller PC in zwei Jahren ausgestattet sein. Erscheinen soll die Mad Box indes erst in frühestens drei Jahren.

VR mit 60 FPS wirft Fragen auf, so dass Ars Technica nachfragte. Laut Bell soll die Mad Box VR-Inhalte in Next-Gen-Grafik mit 180 Bildern pro Sekunde darstellen können und die neuesten Anschlussmöglichkeiten unterstützen. Außerdem befinde man sich in Gesprächen mit Anbietern von drahtloser VR-Anbindung.

Entwickler für die Mad Box sollen eine von den Slightly Mad Studios entwickelte und laut Bell speziell auf die Konsolenhardware angepasste Engine kostenlos nutzen können. Die Konsole soll aber nicht nur für VR gedacht sein sondern natürlich auch klassische Flatgames in bis zu 4K-Auflösung flüssig darstellen.

Mad Box: Spekulationen

Die Aussagen zur VR-Framerate sind hochtrabend, Bell selbst sagt im Interview mit Ars Technica, dass keine existierende Konsole 180 FPS für VR (90 FPS pro Auge) berechnen könne, die Mad Box allerdings schon. Der Studiochef ist offenbar sehr selbstbewusst, trotz fehlender Erfahrungen im Hardwaregeschäft. Dass dieses nicht immer einfach ist, haben jüngst erst die Starbreeze Studios bemerken dürfen, die sich von ihrem StarVR-Engagement zurückziehen mussten.

Offenbar spricht Bell aber nur von VR-Headsets der aktuellen ersten Generation. In drei Jahren ist eine Konsole mit genug Leistung für Vive und Rift in flüssiger Framerate sehr gut denkbar – auch wenn die wohl mindestens ein bis zwei Jahre früher erscheinenden Sony PS5 und Microsofts Xbox „Scarlett“ deutlich langsamer sein dürften.

Interessant ist aber, dass Bell keine aufgemotzen Steam-Boxen produzieren möchte sondern tatsächlich etwas in Konsolenform. Es bleibt also weniger Platz und damit Lüftung für die Hardware, was sich auf die Leistung niederschlagen dürfte. Auch er Preis soll vergleichbar mit klassischen Spielkonsolen ausfallen, wir können also wohl von 599-699 Euro maximal ausgehen.

Wir wissen nicht, welche Grafik- und Prozessortechnik in drei Jahren auf dem Markt sein wird, allerdings können wir versuchen abzuschätzen. Durch das neue Erstarken von AMD auf dem CPU-Markt ist dieser Hardwarebereich allerdings stark im Wandel. Während lange Jahre Quadcore-CPUs den Markt dominiert haben, ging der Trend schon 2018 in Richtung Sechs- und Achtkerner. Ein Prozessor auf aktuellem Highend-Level dürfte also in drei Jahren mindestens in einer flotten Konsole stecken, mit acht bis zwölf Kernen rechnen wir durchaus.

AMD oder Nvidia für die Next-Gen Konsole?

Spannender wird es bei der Grafik. Bell verspricht alle modernen VR-Anschlussmöglichkeiten und dürfte dabei eher an VirtualLink als an HDMI oder Displayport denken. Ein Hinweis auf Nvidia-Hardware, nachdem AMD bislang keine VirtualLink-Hardware auf dem Markt hat? Dafür würde Nvidias Dominanz bei Highend-Grafik sprechen, allerdings hat diese bislang auch einen mehr als stolzen Preis der nur schwer zu den ambitionierten Aussagen von Bell passen mag.

Oder geht Bell einen gänzlich anderen Weg und lagert die Rechenleistung in die Cloud aus? Dienste wie Shadow bieten schon jetzt die Leistung eines Highend-PCs über die Internetleitung an, zahlbar im Monatsabo. Bell selbst spricht von neuen Geschäftsfeldern, mit Hardware lässt sich außerdem nur schwer Geld verdienen. Erst recht gegen Platzhirsche wie Sony und Microsoft. Bislang sprechen allerdings die beim Streaming (noch?) unvermeidbaren Latenzen, die momentan noch VR-Streaming über das Internet unmöglich machen. Selbst die Wireless-Adapter von HTC und TPCast betreiben einen enormen Aufwand um die VR-Bildsignale latenzfrei und ohne Kompressionsartefakte zu übertragen – mit sündhaft teurem 60-GHz-WLAN und einer Funkstrecke, die nicht einmal ein Blatt Papier verdecken darf.

Interessant ist auch die von Bell versprochene Games-Engine, die Entwickler kostenlos nutzen dürfen. Hier lässt sich viel Leistung freisetzen – schon PS4 und XBox One sind eigentlich bestenfalls Einsteiger-PCs, deren beeindruckende Spieleleistung zu großen Teilen mit der einheitlichen und perfekt ausreizbaren Hardware zusammenhängt. Wir werden uns also überraschen lassen, was die Slightly Mad Studios in den kommenden Jahren verrücktes entwickeln. Ian Bell, die VR-Legion drückt die Daumen. Unsere Skepsis ließe sich mit einem Testmuster natürlich schnell beseitigen *zwinker*.

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