Virtual Reality im Jahr 2020 – was war, was wird und ein paar Gedanken vom Dod

Ein neues Jahr, Zeit um zu schauen, was die kommenden 12 Monate bringen könnten – und an dieser Stelle natürlich mit fokussiertem Blick auf die virtuelle Realität.

2020. Das fühlt sich für mich als 1977 geborenen Sci-Fi-Fan viel zu sehr nach ferner Zukunft an um wirklich Realität zu sein. 2020, als Kind stellte ich mir vor, dass die Menschheit in diesem Jahr bereits Siedlungen auf Mond und Mars etabliert hat, dass Autos fliegen und wir generell von futuristischer Technik umgeben sind. Und: Dass wir Computerspiele selbstverständlich in der virtuellen Realität spielen, mit Brillen auf dem Kopf, die ebenso nach Zukunft aussehen wie die Jahreszahl.

Immerhin, das mit der VR ist tatsächlich ein wenig so gekommen, wenn auch ganz anders als damals gedacht. Und viel langsamer. In meiner Vorstellung, waren die Menschen heiß auf diese immersive Erfahrung statt sie zu verdammen, wie es in den letzten Jahren in der Realität geschehen ist.

Nun also 2020 – und ich habe tatsächlich das Gefühl, das mit VR könnte endlich was werden. Flugautos, Siedlungen im Weltraum – naja, was solls.

Rekapitulieren wir doch einmal: 2016 startete die aktuelle Welle Virtual Reality mit PSVR, Vive und Rift, die Jahre vorher baute Oculus einen großen Hype um die (gar nicht mal so neue) Technologie auf. Und dann? Dann verschwand das Interesse. VR war ein Einhorn: Solange es nur ab und zu am Horizont auftauchte, sahen viele darin ein übernatürliches Fabelwesen. Die erste (neue) Generation VR-Brillen konnte mit Rift CV1, Vive und PSVR aber nicht halten, was sich die Beobachter in ihren Vorstellungen ausgemalt haben. Aus dem Einhorn wurde ein klappriger Esel mit auf die Stirn geklebten Horn.

Nun haben viele von euch in den letzten Jahren sehr viel Spaß mit diesem Esel gehabt – und das ist viel weniger zweideutig gemeint als eure grinsenden Gesichter aussagen. Die technischen Einschränkungen dieser ersten Generation wird aber im Direktvergleich mit den 2019 neu hinzugekommenen HMDs auch für Enthusiasten deutlich. Und wer sich heute einmal eine Rift DK1 vor die Augen schnallt, weiß plötzlich sehr gut, wie weit die Technik seitdem fortgeschritten ist. Und auch bei der VR-Software hat sich, das müssen wir wohl alle zugeben, viel getan in den letzten Jahren.

2019, das Jahr mit der Quest und Alyx

Das frisch vergangene Jahr hat und Hardware wie die Oculus Quest gebracht – eine kabellose VR-Brille, die nicht einmal einen PC benötigt, seit November per Link aber auch als PC-HMD genutzt werden kann und dazu noch die Bildqualität einer Vive Pro bietet. Die Oculus Rift S, die mit Inside-Out-Tracking über gleich fünf Kameras das Manko der umständlichen Sensor-Verkabelung angeht und dazu dank RGB-Pixelmatrix das Fliegengitter ohne höhere Anforderungen an den PC stark verbessert. Die Valve Index, die zusätzlich noch ein sichtbar weiteres Field of View bietet und mit den Index Controllern die bislang besten VR-Eingabegeräte aufweist. Nun, und die Vive Cosmos aber lassen wir das.

Hardwareseitig ist aus dem ollen Esel inzwischen tatsächlich ein stattliches Pferd geworden. Vielleicht noch ohne Horn. Aber wer 2020 mit VR beginnt, hat definitiv die Chance, positiv überrascht zu werden. Auch, weil nach all der negativen Stimmung in Bezug auf VR in den letzten Jahren, die Realität deutlich angenehmer wirkt als das was 2016 technisch möglich war in Verbindung mit den überzogenen Erwartungen.

Was wird 2020 also bringen? Erst einmal natürlich das bereits 2019 angekündigte Half Life: Alyx. Ein Spiel mit einer gigantischen Marke im Hintergrund und mit entsprechender PR-Schlagkraft. Der Trailer zum Spiel hat zwar wieder viele überzeugte Flatgamer auf die Barrikaden gebracht, allgemein lässt sich aber mit etwas Abstand beobachten: Die Stimmung für VR steigt. Die negativen Meinungen werden weniger und man liest immer öfter „jetzt werde ich wohl doch mal VR ausprobieren“. Um dann hoffentlich bessere Erfahrungen zu machen als mit Cardboard, das ja viele Leute offenbar immer noch für echtes VR halten.

In der Gamestar schrieb Petra Schmitz, dass Alyx sie überzeugt hat, sich dann doch näher mit VR zu beschäftigen. Und genau das ist es, was VR 2020 voran bringen wird: Die Strahlkraft eines so großen Titels unter anderem. Ein Spiel, das in den Redaktionen dafür sorgt, dass sich die Tester auch privat mit VR beschäftigen. Nur das und die regelmäßige Nutzung (aka Realitäts-Check) werden für mehr VR-Coverage in den Magazinen sorgen können. Momentan werden kaum VR-Games von Mainstream-Gamingmedien getestet weil kaum ein Redakteur wirklich viel Kontakt zu VR hat. Ohne persönliches Interesse fallen VR-Titel also hinten über – ich selbst merke aber auch, wie schwer es ist, entsprechende Artikel an die Redaktionen zu verkaufen, weil noch viele Vorurteile herrschen. Und weil die Leserreaktionen bislang oft negativ waren, viel hate, viel flame. Das ändert sich gerade.

Boneworks: Immersion durch Interaktion

Boneworks konnte wohl als erster Titel so richtig vom Alxy-Hype profitieren: Über 200.000 Verkäufe in recht kurzer Zeit, Toptitel nicht nur in der VR-Nische sondern, zumindest vom Verkauf her, auch im Vergleich zu Flat. Muss nicht jedem gefallen, mein Spiel ist es nicht, Boneworks zeigt aber sehr gut, was Immersion durch Interaktion bewirken kann. Es zeigt auch VR-Skeptikern, was machbar ist.

Eventuell ist Alxy aber auch nur ein Einhorn, solange spannend bis man es anfassen und selbst sehen kann. Das wird sich zeigen – ich bin lieber skeptisch als zu optimistisch, wir haben uns schon zu oft auf einen Durchbruch gefreut. Aber dieses Jahr erscheinen noch weitere Titel mit Strahlkraft. Iron Man für PSVR, Medal of Honor VR. Die Chance, dass auch größere Studios und Publisher nach dem Alyx-Hype und den im Weihnachtsgeschäft sehr guten Verkaufszahlen von VR-Hardware auf den Zug aufspringen ist jedenfalls gegeben. Nicht nur Indie-Entwickler sammeln immer mehr Erfahrungen und bringen VR durch innovative Ideen und weiter optimierte Eingabemöglichkeiten (Stormland ist das perfekte Beispiel WIE einsteigerfreundlich die Steuerung eines Games sein kann und muss!) voran. Sichtbar voran, denn auch 2016 noch skeptische Leute merken so langsam, was sich seitdem getan hat.

Den größten Push bringt meiner Überzeugung nach aber Oculus Quest: Die Brille lässt sich nicht nur stationär nutzen sondern auch zu Freunden mitnehmen und dort ohne großen Aufwand nutzen. VR ist eine Technik, die bei Kontakt konvertiert, ich kann es nicht oft genug schreiben. Nur wer VR wirklich erlebt hat – und im Idealfall gleich mit den passenden Anwendungen und nicht mit einer kotzreiz-anregenden Achterbahnfahrt – wird verstehen, warum wir hier so begeistert davon sind. Dass es dann nicht jeden packt ist normal aber die Chance ein paar neue VR-Fans zu erschaffen ist mit der Quest massiv gestiegen.

2020: Wachstum statt neuer Hardware

An neuer Hardware erwarte ich hingegen nur wenig von diesem Jahr. Zumindest, was neue VR-Brillen angeht. Pimax wird Dinge vorstellen und mit etwas Glück sogar ausliefern aber das ist kein marktbeherrschendes Unternehmen und Pimax hat sich den eigenen Ruf zu sehr verspielt um aktuell relevant zu sein. Oculus dürfte sein Pulver 2019 verschossen haben und sich erst einmal auf Software konzentrieren – eine Quest 2 erwarte ich nicht vor 2021, eher 2022. Ob Hersteller wie Samsung noch etwas geheimnisvolles in der Hinterhand haben? Wir werden sehen. Teure Luxusgeräte wie StarVR One oder Xtal hingegen bringen VR nur technisch aber nicht in Bezug auf Marktakzeptanz voran, selbst wenn die CES kommende Woche neue Hardware bringen sollte. Was wir brauchen sind mehr Geräte wie Oculus Quest – einsteigerfreundlich UND bezahlbar UND mit guter Qualität – also nicht die Vive Cosmos, sorry HTC.

Insgeheim erwarte ich allerdings, dass Oculus einen Wireless-Adapter für die Rift S vorstellt, gleiches wäre auch für die Valve Index ein traumhaftes Addon. Ansonsten hoffe ich für 2020 auf viele überraschende Spiele und mehr tolle Software für die bereits erwachsen gewordene Hardware. Ich bin davon überzeugt, dass die VR-Community in den kommenden Monaten überdurchschnittlich stark wächst – es liegt jetzt also auch an uns, euch, diese neuen User freundlich in der Community zu begrüßen und ihnen die ersten Schritte leicht zu machen. Erinnert euch daran, dass auch ihr die ersten VR-Schritte lernen musstet, vielleicht wärt ihr als Early-Adapotors auch froh über mehr Hilfestellung gewesen. Gebt den Neulingen diese Hilfestellung, ohne Häme und Spott über das Unwissen. Sorgt dafür, dass die VR-Community weiterhin angenehm und gemütlich bleibt. Und grenzt Trolle bewusst aus, bringt ja nix.

Vielen Dank auf jeden Fall für die letzten beiden Jahre der Treue für VR und die Legion. Macht weiter so, IHR seid es, was die VR-Szene ausmacht. Wir alle haben es in der Hand, ob sich die Neuzugänge wohl fühlen und dieses Gefühl vielleicht auch auf VR selbst übertragen.

 

[amazon_link asins=’B0816Y6YG6,B07R3N7BTB,B08293QJH1,B07VV8DYBL,B07TMNGPLT‘ template=’ProductCarousel‘ store=’vr-legion-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’cb2bf669-9a5c-4827-98bd-febaee173250′]

Einige der Links in diesem Artikel sind (unter Umständen) sogenannte Affiliate-Links. Mit einem Kauf über einen dieser Links bekommen wir eine kleine Provision, für euch ändert sich nichts.

Anzeige




4 Kommentare

  1. ohne wirkliche Innovationen wird es kein VR Wachstum geben … wirkliche gut funktionierende Brillen- vor allem kabellos und nicht mit Behelfslösungen – echtes foveated bzw focussed Rendering mit individual-Linsen (die es ja gibt) – ein wirklich vernetzes AR-System ähnlich den TV-Systemen – vor allem ein einziger Standard – sonst gibt das keine wirkliche -Game-Medien-Informations-Zukunft

  2. Ein Esel verkleidet als Einhorn! LOL Köstlich! 😀

    Nvidia und AMD müssten endlich in die Pötte kommen und 2 Sachen bieten:
    1. Mehr VR Performancefeature und oder mit dem Dampfhammer 2 GPUs auf 1 Karte – für jedes Auge
    2. Downscaling für VR. Die Bildqualität steigert sich enorm wenn man DRS (Nvidia) aktiviert oder generelles Bildnachschärfen. Ocolus Rift-S mit 5K im Cockpit von DCS World ist ein ganz neues Erlebnis und man glaubt schier nicht eie Rift-S aufzuhaben! Hab nen 5K Bildschirm und daher ist die Auflösung für die Rift-S auswählbar 😉

  3. 1. Genau das ist der Punkt: VR muss man erleben! Man kann davon nicht erzählen. Im besten Fall wird man nur als verrückter Spinner gesehen… besonders wenn man von seinen VR Pornoerfahrungen in photorealistischen 6K erzählt mit knackscharfer Vagina 2cm vor den Augen oder die Anime „Röckchenwedel-Tittelwackel“-Simulatoren. 😉 Ocolus macht mit den Tutorials/Demos hier schon mehr richtig als Steam. Man braucht einfach einen lockeren Einstieg. Klar, wäre ein Onward, DCS World oder Lone Echo umwerfende Erfahrungen. Aber man muss erstmal mit Google Earth die Leute anfangen lassen und vielleicht auch mit VR Pornos.

    2. Denke so lange nicht im Mediamarkt die Leute das ausprobieren können, wird es VR auch 2020 schwer haben im Mainstream anzukommen. Mediamarkt ist einfach das geistige Niveau der meisten Gamer. Sieht man ja auf der Gamescon die primär die Unterschicht anzieht. Nicht Assis, aber die Unterschicht eben. Den Arbeiter der in VR entspannen und von der Wirklichkeit flüchten will.

    3. Ich frage mich ernsthaft, wie das 2020 ein Durchbruch werden soll, wenn man faktisch nix kaufen kann. Die Valve Index ist seit 1 Monat verkauft. Toll! Da frage ich mich echt ob sie im März ALYX rausbringen und niemand kann es zocken, mangels Hardware. Das wäre ein Disaster. Aber nachdem AMD für alle AMD Nutzer den Treiber verhauen hat, sodass alles mit Unityengine und Steamengine nicht mehr ging… z.B. Boneworks, Onward etc. fragt man sich schon ob die Hersteller alle sammt nicht ganz dicht sind!? Erst übel anfixen und dann mit dem Erfolg nicht klar kommen und alles versauen.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.