Blood&Truth für PSVR getestet – Die neue Referenz für VR-Action

Blood&Truth - VR Musthave für PSVR

Ein VR-Game wie ein intensiver und spielbarer Actionfilm – das verspricht Blood&Truth auf PSVR zu sein. Wir erkunden, ob Sony das Versprechen hält.

Bereits aus den Anfangszeiten der Playstation VR stammt die recht kurze aber packende VR-Demo „London Heist“ aus der PSVR-Demosammlung von Sony. Dort fand sich auch ein kleines Plattformspiel mit niedlichen Astro Bots, das es ja bekanntlich zu einer fulminanten Vollversion geschafft hat – hier unser Test von Astro Bot für PSVR.

Mit Blood&Truth erscheint nun das nächste aufwändig produzierte Spiel direkt aus den Sony-Studios. Sony London hat in den letzten Jahren daran gearbeitet, Fans von London Heist mehr Spielefutter zu produzieren. Dabei waren natürlich die Zutaten der beliebten Demo-Erfahrung besonders wichtig – viel Action und zahlreiche filmisch inszenierte Momente. Und natürlich: Währenddessen mit der Umgebung herumspielen. Die Szenen mitzuspielen oder zu veralbern. Und zu ballern, nicht zu vergessen.

Kriminelle Story in London

Das am 28. Mai erscheinende PSVR-Spiel wurde nicht nur von den London Studios produziert, die Entwickler lassen auch die Handlung in London spielen. Wir übernehmen die Rolle von Ryan Marks, eines Special-Forces-Soldaten der sich zur Beerdigung seines Vaters mit der Familie in London trifft. Nun ist die Familie nicht ganz so britisch-vornehm wie man erwarten könnte: Praktisch, da sich so eine spannende Story rund um einen kriminellen Familien-Clan, konkurrierende Banden und ganz viel Londoner Underground entwickelt.

Gegner erledigen, dabei Bomben platzieren – Multitasking ist gefragt.

In der uns von Sony zugeschickten Pressepackung des Spieles lagen als kleiner Hinweis auf das zu erwartende Milieu ein Kartenspiel und ein Casino-Chip bei – tatsächlich spielt sich ein Teil von Blood&Truth wie Oceans Eleven. Generell ist das ganze Spiel aufgezogen wie ein Hollywood-Film inklusive fieser und überraschend glaubwürdiger Bösewichte und vielen Explosionen. Zu viel von der Handlung wollen wir aber gar nicht spoilern, ihr solltet sie im rund 7-stündigen Spiel am besten selbst erleben.

Das ganze Spiel ist übrigens in Deutsch lokalisiert – nicht nur Untertitel sondern auch die Gespräche.

Beeindruckende Präsentation, einerseits

Die Detailverliebtheit der Entwickler ist beeindruckend: Selbst unwichtige Räume, die in wenigen Sekunden durchwandert sind, strotzen nur so vor Details. Besonders beeindrucken aber die Darsteller: Jede einzelne Spielfigur ist per Motion Capturing eingefangen worden und bewegt sich trotz klassischer Shootergrafik genau wie ein echter Mensch es eben tun würde. Kein Vergleich zu den oft ungelenk herumhampelnden Figuren aus vielen anderen VR-Games. Das kommt natürlich den vielen handlungstragenden und eher ruhigen Szenen sehr zu gute. Aber auch die Schießereien profitieren, da auch die Gegner realistisch animiert tot umkippen.

Auch die Interaktionen beispielsweise der Familienmitglieder sind hervorragend gelungen – kleine Blicke oder andere Reaktionen beispielsweise erwecken tatsächlich das Gefühl dabei zu sein und auch von den anderen bemerkt zu werden statt nur zuzusehen. Es sind viele Details, die bei Blood&Truth geschickt die Immersion steigern – ich spiele seit dem Erstverkaufstag mit der PSVR und ebenso lang mit PC-VR und habe bislang noch kein Spiel erlebt, das so hochwertig produziert wirkt.

In dieser Disko wird noch viel Blut fließen..

Eine Szene in einer Disko zeigt stellvertretend was ich meine: Ich stehe am DJ-Pult und habe einen tollen Blick auf die leere Tanzfläche, auf die mittlerweile Gangster strömen. Während ich auf die Gegner ballere, kann ich aber auch mit dem DJ-Equipment herumspielen und, fast wie bei Electronauts, mit Songfragmenten und Bühneneffekten arbeiten. Sogar ein Plattenteller mit dem es sich stilecht scratchen lässt  ist vorhanden. Und während da mein eigener Soundtrack durch die Boxen wummert ducke ich mich vor den feindlichen Kugeln weg – perfekt! Eine kurz darauf folgende Szene in einer Kunstgalerie beweist ebenfalls, warum Spiele in VR ein so beeindruckendes Erlebnis sein können an das Flatgames nie heranreichen können.

Ohne PS4 Pro eher matschig, andererseits

Die detailverliebte Optik hat einen Nachteil: Die alte PS4 und die Slim kommen mit der Grafikberechnung nur schwer zurecht. Das Spiel läuft daher auf diesen Konsolen in einer recht matschig wirkenden Auflösung. Spielt es daher besser mit der PS4 Pro, bei der das Bild deutlich klarer wirkt. Zwar lässt es sich auch mit niedrigerer Auflösung spielen, ich ertappe mich aber oft wie ich Ryan zu einer Sehhilfe überreden möchte.

 

Steuerung am besten mit Move

Blood&Truth lässt sich zwar auch mit dem Gamepad spielen, dann geht aber enorm viel Immersion verloren. Klettern auf Knopfdruck – das raubt auch einigen ansonsten sehr interessanten Spielelementen den Spaß. Mit den Move-Controllern steuert ihr eure Hände unabhängig voneinander und müsst auch mit einem Griff zur Munition und zur Waffe nachladen statt nur einen Button zu drücken. Die bereits erwähnten Klettersequenzen aber auch das Knacken eines Schlosses oder scharfmachen einer Bombe bringen mit Move ebenfalls mehr Spaß.

Nicht unterstützt wird hingegen der Aim Controller – Blood&Truth setzt aber auch stark auf Aktionen mit getrennten Händen, das manuelle Öffnen von Türen und herumspielen mit der Umgebung – das geht mit dem Aim nicht so immersiv wie mit Move.

Leider erschwert das suboptimale Tracking der PSVR einige Aktionen wie Zielen mit dem Snipergewehr. Das stört mitunter und raubt etwas Immersion, ist im Endeffekt aber kein Dealbreaker.

Bewegung: Bravo Team, übernehmen sie

Erinnert ihr euch an die Fortbewegung in Bravo Team? Ihr visiert bestimmte Punkte im Level vor euch an und seht dann eure Figur dort hinlaufen – gewöhnungsbedürftig. Bei Blood&Truth läuft es ähnlich: Statt der Figur beim Laufen zuzuschauen werden wir an den Zielort „geschoben“. Funktioniert zwar recht gut, zumal wir an vielen Stellen auch links- und rechts strafen können, an eine vollkommen freie Locomotion kommt dieses System aber natürlich nicht heran. Es dürfte aber auch Designbedenken gegenüber free Locomotion gegeben haben: Viele Szenen funktionieren nur aus den vorgegebenen festen Positionen so richtig gut und allzu viel an KI-Pfiffigkeit ist ebenfalls nicht nötig.

Allerdings sollten wir gut aufpassen, im Level keine wichtigen Munitionspakete oder Extras liegen zu lassen – eine Rückkehr ist nicht vorgesehen. Ihr könnt aber im Übersichtsbildschirm zu jeder bereits bewältigten Szene springen (insgesamt sind es 19 davon) und sie noch einmal spielen. Beispielsweise um weitere Extras zu finden, die Waffenmodifikationen freischalten.

Ihr könnt in hektischen Situationen eine Zeitlupe aktivieren, mit der sich eure Reflexe deutlich mehr nach Hollywood anfühlen. Außerdem sieht es cool aus.

Blood and Truth PSVR
Vor allem der Oberbösewicht ist vorbildlich geschauspielert und wirkt überzeugend.

James Bond meets John Wick in VR

Das Spielgefühl von Blood&Truth ist erstklassig: Die Handlung entspinnt sich erst geruhsam aber dann auch mit extrem viel extrem gut inszenierter Action. Natürlich dürfen auch die von London Heist bekannten Auto-Verfolgungsjagten nicht fehlen: Wir ballern auf feindliche Motorradfahrer und wehren uns gegen bewaffnete PKW-Besatzungen. Dass wir dabei nicht nur im besonders einfachen „Kinomodus“ sondern auch beim normalen Modus (mehr gibt es nicht) nur schwer zu töten sind, gleichzeitig aber ganze Heerscharen feindlicher Gangster ausschalten – geschenkt. Hauptsache Spaß! Tatsächlich spielt sich Blood&Truth wie die VR-Version eines guten Actionfilmes. Und zwar die Art von Umsetzung von der wir alle beim Schauen von Hollywoodkrachern geträumt haben, nicht den Kram, den es bislang gab.

 

Fazit

Es gibt bislang kein einziges derart hochwertig inszeniertes und produziertes VR-Game wie Blood&Truth. Damit könnten wir eigentlich schließen – klare Kaufempfehlung. Und zwar nicht nur für PSVR-Besitzer sondern eigentlich auch für alle anderen – selbst wenn euch Details wie die Steuerung oder die eher matschige Grafik mit der PS4 Slim stören: Das Erlebnis beim Spielen ist besser als bei so gut wie allen anderen VR-Games. Auf der Flucht vor einem Minigun-Mörder durch ein Fenster springen, in Zeitlupe durch die Luft gleiten und an einem Rohr festhalten – das erinnert an beste Jackie-Chan-Zeiten und bringt gespielt enorm viel Spaß. Die Inszenierung mit hochwertigem Motion Capturing bis hin zum Kanonenfutter-Gangster sorgt für enorm viel Stimmung. Hier spielt Blood&Truth sogar in einer Liga mit dem grandiosen aber spielerisch deutlich zurückhaltenderem Vader Immortal – die Immersion ist faszinierend.

Wenn Blood&Truth einen Ausblick auf kommende AAA-Spiele für Virtual Reality gibt, sehen wir VR-Fans wundervollen Zeiten entgegen! Mehr davon!

 

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