Edge of Nowhere – VR-Klassiker im Test von Hoshi

Zwar gibt es Edge of Nowhere schon seit einiger Zeit, Hoshi hat sich den modernen Klassiker für alle Lovecraft-Fans aber trotzdem noch einmal angeschaut.

Als großer Howard Phillips Lovecraft (oder kurz H.P.) Fan hat es mich immer gewurmt, dass es so wenig gute Spiele gibt, welche den kosmischen Horror H.P.s einfangen, oder speziell den Cthulhu Mythos aufgreifen. Versteht mich nicht falsch, es gibt einige Spiele, wie 2005 Dark Corners of the Earth, 2015 Bloodborne, oder 2018 ein richtiger Versuch das Pen & Paper Rollen Spiel Call of Cthulhu auf Konsole und PC zu bringen. Leider variieren die Spiele von meisterhaft zu durchschnittlich bis enttäuschend. Am allermeisten hat es mich aber gewurmt, warum es keinen Lovecraftian-Horror in VR gibt, der sich auch so nennen darf?

Nach genau 3 Jahren scheinen mich die großen Alten gehört zu haben. 3 Jahre in denen Unzählige es schon erlebt haben, konnte ich jetzt erst die Wahrheit hinter unserem verschwommenen Dasein erkennen. Oder ich war einfach nur doof, weil ich eine Vive hatte und nie den Oculus Store und allen voran Edge of Nowhere beachtet habe. Aber jetzt wird alles gut… oder?

Jetzt nur nicht aus Versehen Chtulhu aufwecken..
Jetzt nur nicht aus Versehen Cthulhu aufwecken..

Edge of Nowhere stammt vom Entwicklerstudio Insomniac Games, welche für Klassiker wie Spyro the Dragon, Ratchett and Clank und das fantastische Spider-Man verantwortlich sind. Mit Stormland am Horizont, habe ich nun endlich ihr VR Erstlingswerk beendet und ich bin begeistert. Alles erinnert stark an Lovecrafts Geschichte “Die Berge des Wahnsinns”. Auch wenn das Gameplay kein Offenbarung ist, hat mich das Gesamtpaket an all meinen kosmischen Tentakelspitzen stimuliert (Anmerkung der Redaktion: Hoshi, zieh dir was an wenn du VR zockst).

3rd Person in der Arktis

Wir spielen Victor Howard, einen Wissenschaftler der sich in die Antarktis aufmacht um seine Verlobte Ava Thorne zu suchen. Auch eine Wissenschaftlerin war sie an einer Expedition beteiligt, zu der wochenlang der Kontakt abbrach. Mehr will ich hier auch nicht erzählen, da die Geschichte den Hauptreiz des Spieles ausmacht… und natürlich das was unter dem Eis lauern mag.

Wir steuern Victor aus der Schulterperspektive, wobei Insomniac aber immer die Kamera vorgibt, welche hauptsächlich hinter uns bleibt. Dank VR können wir uns um die gesamten 360° umschauen. Das ist aber selten notwendig. Obwohl die Kamera sich immer hinter uns mitbewegt, sollte es so gut wie nie zu Motion Sickness kommen, da wir so vom Charakter losgelöst sind als Zuschauer und es mehr wirkt als würden wir hinterher “schweben”. Bedient wird das ganze mit dem Gamepad oder Oculus Touch Controller. Letzteres wird aber als “Pad” genutzt weil es keine direkte Interaktion gibt in diesem Spiel. Die Steuerung erfüllt ihren Zweck weitestgehend, doch gab es einige Sprungpassagen, in denen man sich die Eingabe etwas genauer wünschen würden. Einige Stellen müssen so immer und immer wiederholt werden, weil Victor mal wieder nicht dort hin wollte, wo ihr hingedrückt habt.

Edge of Nowhere: Lovecraft und VR
Wir schauen unserer Spielfigur über die Schulter.

Neben einfachem Voranschreiten durch das sehr schlauchige Spiel gibt es Fluchtsequenzen und Schleichpassagen. Letzteres wirkt besonders im letzten Drittel des Spiels repetitiv, artet zum Glück aber nicht in Frust aus. Die Variation der Spielmechaniken sind recht gut verteilt und wechseln sich ab, so das es sich nicht nervig anfühlt. Achja, das Klettern habe ich vergessen. Wenn ihr das Klettern aus dem Tomb Raider Reboot kennt, habt ihr eine grobe Vorstellung – nur das es lange nicht so geschmeidig schnell vonstatten geht. Das waren für mich die nervigsten Passagen im ganzen Spiel. Nicht weil sie schwer sind, sondern weil sie einfach lästig wirken in ihrer sehr hohen Anzahl.

VR-Klassiker mit Optikschwächen

Nach 3 Jahren merkt man dem Spiel ihre VR Anfangszeit an, vor allem was die Grafik betrifft. Grafikoptionen fehlen beispielsweise vollends. Selbst forciertes Supersampling hatte keine Auswirkung auf die Bildqualität. Wen das nicht stört bekommt eine stimmig inszenierte Arktis präsentiert und sogar einige kurze Abstecher in den Dschungel oder zivilisiertere Gebiete. Texturen und Effekte sehen gut aus aber nicht perfekt. Dennoch kann mir das Gesamtbild sehr gefallen.

Was unter anderem an der sehr guten Sounduntermalung liegt. Besonders loben möchte ich die deutsche Sprachausgabe. Denn es ist im Spielebereich keine Selbstverständlichkeit, dass die Schauspieler es schaffen, ihre Emotionen so gut rüberzubringen und die Charaktere glaubwürdig erscheinen lassen, top. Soundeffekte und Musik runden das ganze extrem gut ab, wenn der Schnee unter den Füßen knirscht, das Eis hörbar arbeitet, oder den Wind um die Ohren pfeift. Der Soundtrack ist stimmig und passt zur jeweiligen Situation, doch müsste ich lügen, wenn mir auch nur ein Stück im Kopf geblieben wäre. Die dramatischen Violinen, die man nur zu gut aus Horrorklischees kennt, nutzen sich dann auch schnell ab. Aber alles in allem passt die Musik und wirkte nie aufdringlich.

 

Fazit: Fhtagn Fhtagn!

Nun das war ja alles schön und gut, wie sich das alles so spielt, anhört und anschaut, aber wie ist es denn nun? Tja… ohne zu spoilern oder auch nur etwas zu verraten, kann ich es schwer beschreiben. Wer Lovecraftian-Horror mag, ist es sich schuldig dieses Spiel zu zocken. Wer gruseligen Horror will, wird hier vermutlich enttäuscht werden. Das Spiel ist spannend, keine Frage, aber kein Gruselfest. Ich würde es als Psychohorror einstufen, was nun einmal auch Lovecrafts große Stärke war. Das Unbegreifliche, was der menschliche Verstand nicht zu verstehen im Stande ist. Und genau das macht das Spiel mit euch. Es spielt mit eurem Verstand und ihr werdet euch immer mehr fragen, was ist echt und was nicht. Ich kann nicht mehr verraten, aber ich hab es gesehen… (die Schrift das Autors wird ab dieser stelle immer krakeliger und mehr unleserlich)

Ich habe die Wahrheit gesehen! Ihr könnt ihn nicht aufhalten! Er wird kommen! Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn!

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