OhShape – wir tanzen durch virtuelle Mauern!

OhShape ist ein neues Rhythmusgame, das Ende Dezember veröffentlicht wurde. Neben den „großen“ PC-Headsets ist es nun auch für Quest erhältlich, und wir haben es uns für euch angeschaut.

Wie es sich für ein Musikspiel gehört, will uns OhShape zum Tanzen bringen. Dabei folgt es einer ziemlich originellen Grundidee: Wände rasen auf uns zu, die Löcher in Form menschlicher Konturen haben. Da ist intuitiv klar: Wir müssen uns genau so hinstellen, dass wir durch die Form hindurch passen! Das ist sofort verstanden und funktioniert auch soweit gut. Als zusätzliche Komplikation gibt es riesige Blöcke, denen wir ausweichen müssen, und die uns dadurch zwingen, und zu ducken oder einen Schritt nach links oder rechts zu machen. Generell spielt sich das Geschehen von OhShape vereinfacht gesagt in drei Bahnen ab – wir stehen entweder in der Mitte, oder eben einen Schritt seitlich von der Ursprungsposition. Um das Ganze noch fordernder zu machen, kommen mitunter komplett solide Wände auf uns zu, die wir durch einen beherzten Faustschlag an die angezeigte Stelle zerstören müssen, bevor sie uns treffen. Als Bonus können wir noch Münzen einsammeln, die auf und zuschweben – natürlich meist an Orten, die sehr schnelle Bewegungen erfordern.

Mit dem Thema der schnellen Bewegungen sind wir auch schon im Kern von OhShape angekommen – das Spiel wird sehr schnell sehr fordernd und ist auch äußerst schweißtreibend! Gerade die schnellen links/rechts-Wechsel und die Posen, die in der Hocke ausgeführt werden, sorgen für einen steigenden Puls. Dabei ist es auch besonders knifflig, aus einer flotten Bewegung genau in die geforderte Form zu erstarren, um eine Wand zu passieren. Hier ist wirklich eine gewissen Präzision gefordert, da die Pose sonst nicht erkannt wird. Einfache Figuren wie gestreckte Arme sind dabei ohne Nachdenken sofort begriffen, etwas Probleme hatten wir mit den Varianten, wo eine Hand vor der Brust gehalten werden muss, oder wo es möglicherweise zu Problemen mit den „Spiegelneuronen“ im Gehirn kommt, so dass wir bei unsymmetrischen Figuren links und rechts vertauschen. Doch das ist alles Übungssache – was die benötigte Körperspannung angeht, sind jedoch bei schnellen Wechseln Leute mit Ballet- oder Kampfsport-Erfahrung sicher im Vorteil.

Durch Wände brechen ist kein Zuckerschlecken!

Gerade in den höheren Schwierigkeitsstufen brauchen wir nämlich eine ganze Menge Übung und Kondition – die Wechsel von „Leicht“ auf „Mittel“ auf „Schwer“ fallen nämlich jedesmal beträchtlich aus. Zum Glück gibt es einen Modus, in dem wir trotz vermehrter Fehler einen Song bis zum Ende durchspielen können, so dass wir uns auch schwere Choreographie langsam einprägen können, ohne ständig abbrechen zu müssen.

Soviel also zum eigentlichen Gameplay – natürlich steht und fällt ein Rhythmusspiel mit der Qualität der Musikstücke und der Choreographien. Hier hat OhShape erst einmal 12 Titel zu bieten, die alle der elektronischen Ecke entstammen, mit Fokus auf moderne, leicht „trappige“ Sounds, also eine Spur aggressiv, aber auch dynamisch. Etwas funkigere oder poppigere Ausleger sind auch mit dabei, und alle Choreographien fühlen sich recht durchdacht an, was OhShape auf jeden Fall deutlich von den meisten „Shovelware“ Musikspielen abgrenzt. Unter dem Menüpunkt „Extras“ finden wir noch einmal fünf weitere Songs, wobei uns nicht ganz klar ist, warum diese nicht in die Hauptauswahl integriert sind. Insgesamt sind uns das etwas zu wenig Songs, vermutlich ausgehend von den Sony-Erfolgen der SingStar- und EyeToy-Groove Zeit sind wir irgendwie darauf geeicht, dass so ein Spiel etwa 25 bis 30 Titel bieten sollte. Abhilfe schafft aber der komfortable Editor, mit dem die Community tolle eigene Choreographien zaubern kann. Das ist natürlich ein toller Bonus, ich bin allerdings gar kein Freund solcher Lösungen. Irgendwie fühlt sich das für mich so an, als würde man in ein Museum gehen, aber seine eigenen Bilder mitbringen, die man dort aufhängt. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache und es ist sehr löblich, dass es diese Option gibt, und dass sie sogar noch durch ein eigenes Tool für kreative Köpfe sehr einladend aufbereitet ist.

Ein wenig Grund zum Meckern

Kommen wir nun also zu den schwerwiegenderen Dingen, die uns an OhShape negativ aufgefallen sind. Zum einen ist da die absolute Gleichförmigkeit der Optik zu nennen – hat man einen einzigen Screenshot von OhShape gesehen, hat man alles gesehen. Der reduzierte, stielvolle Look des Games ist schick, aber er ändert sich halt kein Stück – selbst die Farben bleiben immer genau gleich. Das Ganze Spiel erhält dadurch eher den Anstrich, einen klinischen Workout bieten zu wollen, als ein „synästhetisches“ Musik-Experience, das euch wie zum Beispiel Beat Saber oder Synth Riders ein gewisses Disco-Flair vermittelt. Auch das ist natürlich Geschmackssache, etwas mehr Varianz in Umgebungen und Farben hätte uns aber ganz gut gefallen. Wer weiß, vielleicht kommt da ja noch etwas.

Etwas störender fanden wir die harten Abstufungen in den Schwierigkeitsgraden, „Leicht“ ist einfach ZU leicht, „Mittel“ dann aber schon zu schwer, beim ersten Versuch lässt sich kaum ein Song beenden und es ist auch nicht klar, was man bei einiger Übung tun kann, um noch mehr Punkte zu holen, wenn die Konkurrenten in den Bestenlisten meilenweit entfernt sind, ohne dass es Modifikatoren gibt, wie bei den meisten anderen Rhythmusspielen. Ein richtig blödes Problem ist, dass die Breite unserer Spielfläche, zumindest auf Oculus Rift, offenbar nicht vom Spiel ausgelesen wird. Zum Testen nutzen wir ein Areal von 2,5 mal 2,5 Metern, was von der Oculus App als „optimal“ anerkannt wird. Bei Oh Shape stoßen wir dann aber immer mal wieder im Eifer des Gefechts mit der Hand gegen die Wand, was auch der GamingLady Nici passiert ist, so dass es wohl mit Vive Trackern genauso ist. Bei uns fehlten lediglich 20 Zentimeter auf jeder Seite, so dass es schade ist, dass das Spiel das nicht einfach ein klein wenig herunterskaliert. Es gibt zwar die Option, einen „kleinen Playspace“ anzuwählen, aber dann fallen die Seitenschritte einfach mal komplett weg – wirklich schade.

Fazit: Fordernes Musik-Workout!


Unterm Strich bietet OhShape aber ein frisches Konzept im Rhythmusspiel-Bereich. Sich so hinzustellen, dass wir durch die Löcher in den Wänden passen, hat uns viel Spaß gemacht, es fühlt sich einfach witzig an und mit (viel) Übung kann man bei dem Spiel dann auch einiges erreichen. Zudem ist es vielleicht das schweißtreibendste aller VR-Spiele, also wer die Technik nutzt, um Kalorien zu verbrennen, ist hier definitiv richtig! Mit 19,99€ ist das Spiel zur Zeit auch noch ein gutes Stück günstiger als beispielsweise das ebenfalls mit relativ wenigen Songs ausgestattete Beat Saber, so dass es ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Daher gibt es von uns auf jeden Fall den Daumen nach oben!

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