Steam-Spiele mit Oculus Quest spielen – Elite, SkyrimVR und mehr mit VRidge und ALVR

Das Tool VRidge (und ALVR, Update) ermöglicht das Streamen von VR-Games über WLAN – wir haben eine frühe Version ausprobiert und erklären euch die Installation.

Update 2 – ALVR

Neben dem kostenpflichtigen VRidge gibt es noch ALVR, das ebenfalls in einer per Sideloading zu installierenden APK daherkommt (die unten geschilderte Anleitung funktioniert auch da). Die grundlegende Funktionsweise ist identisch zu VRidge – ihr installiert ein Servertool auf eurem PC, startet ALVR in der Quest (siehe Anleitung..) und baut eine Verbindung her.

Gegenüber VRidge bietet ALVR bereits in der aktuellen Alpha (2.4 Alpha 4) einige Vorteile. So werden nicht die Vive Wands emuliert sondern die Oculus Touch-Controller, zudem gibt es Einstellmöglichkeiten für die einzelnen Buttons wenn es Probleme geben sollte. Wichtiger ist aber die deutlich geringere Latenz gegenüber VRidge. Während wir uns beim VRidge-Test über unspielbare Verzögerungen bei Beat Saber (aber auch weniger hektischen Spielen) geärgert haben, holt ALVR deutlich mehr aus der Leitung heraus.

Wichtig ist aber die Nutzung eines 5-GHz-WLANs mit möglichst wenig Abstand zum Router oder WLAN-AP. Wie bei VRidge sollte euer PC in der Lage sein, das SteamVR-Videosignal in Echtzeit in HEVC umzuwandeln – am besten funktioniert das allerdings aktuell mit Nvidia-Grafikkarten. Eine AMD RX570 weigerte sich im Test sowohl mit VRidge als auch mit ALVR in HEVC zu arbeiten, eine RTX 2080 erledigt die Kompression quasi nebenher. Andere Videocodecs als HEVC sorgen indes für schlechtere Bilder und höhere Latenzen.

–> Anleitung und Softwaresammlung für Sideload mit Oculus Quest

Streaming von VR-Games über WLAN-Netze ist immer mit Verzögerungen verbunden – das ist physikalisch nicht zu ändern leider. An den Entwicklern der Streamingsoftware liegt es also, diese Verzögerungen einerseits so gering wie möglich zu halten und andererseits dafür zu sorgen, dass sie nicht störend auffallen. Beides ist ALVR schon in der aktuellen Alpha extrem gut gelungen. Zwar reicht es nicht, selbst mit einer fast idealen Verbindung, Beat Saber auf wirklich hohem Niveau in Expert+ zu spielen – für weniger hektische Spiele ist die Verzögerung aber ausreichend gering. Brachte uns mit VRidge nur eher ruhiges Zeugs wie Vox Machinae Spaß, können es mit ALVR auch Spiele wie Contractors oder Blade&Sorcery sein. Vor allem letzteres ist durchaus beeindruckend kombiniert mit der Bewegungsfreiheit der Quest.

In Kürze folgt als weiteres Update noch ein Guide zum Verbessern der WLAN-Abdeckung und ein weiterer Test mit unterschiedlich schnellen Streaming-PCs. Erstes Fazit dieser frühen Alpha-Versionen: ALVR hat das Potential zumindest für einige Nutzer eine PC-VR-Brille überflüssig zu machen. Was mag erst passieren, wenn Oculus John Carmack an einer eigenen Streaminglösung basteln lässt?

–> Download ALVR bei GitHub

Update:

Wir haben am Wochenende mit mehreren unterschiedlichen PC-Konfigurationen und VRidge herumexperimentiert. Dabei fällt auf, dass der als experimentell gekennzeichnete HEVC-Modus in Verbindung mit einer Geforce RTX 2080 ein deutlich besseres Ergebnis liefert als im folgenden Artikel beschrieben. Die Latenzen sind weiterhin spürbar und vorhanden, außerdem wird trotz Oculus-Controllern nur eine Vive mit ihren Wands emuliert, was einige Steuerungsoptionen unmöglich macht. Dennoch spielt es sich mit HEVC-Bildkomprimierung deutlich besser. Die Anforderungen an den PC steigen allerdings, mit einer AMD RX570 waren keine sinnvollen Ergebnisse möglich.

Ursprünglicher Artikel:

Ein Feature, das viele bei der Oculus Quest vermissen, ist die Möglichkeit, SteamVR-Spiele damit zu zocken. Da dieses aus technischen Gründen (ARM statt x86-Prozessor, Android statt Windows, fehlende Rechenleistung) nicht möglich ist, bleiben erst einmal nur die nativen Apps. Wem das nicht reicht bietet Riftcat mit VRidge eine Alternative.

VRidge gibt es bereits seit geraumer Zeit um PC VR-Games mit Cardboard, Daydream, GearVR und Oculus Go zu spielen. Da diese Plattformen aber nur 3DOF-Steuerung mit einem Controller beherrschen, war die Nutzung bislang nur sehr eingeschränkt möglich. Oculus Quest hingegen steht PC-VR beim Tracking nicht nach und bietet 6DOF, ganz wie Vive und Rift. Damit sollten doch eigentlich alle VR-Spiele problemlos spielbar sein oder? Nicht ganz. Aber beginnen wir bei der Installation von VRidge.

VRidge: Installation per Sideloading

Die noch sich in einem recht frühen Stadium befindende App lässt sich nicht aus dem Oculus-Store sondern nur über die Internetseite des Herstellers herunterladen. Für eine unbegrenzte Nutzung (auch auf unterschiedlichen Plattformen) zahlt ihr 14,99 Euro, es existiert aber auch eine Testoption mit der ihr 5 Minuten reinschauen könnt (+ weitere 5 Minuten wenn ihr bei Riftcat eingeloggt seid, was keine Kosten verursacht).

Installiert wird per Sideloading, ihr müsst die Quest also per Kabel mit dem PC verbinden und ein paar Installationsschritte einhalten. Wenn euer PC kein USB-C bietet, könnt ihr euch einen Adapter von Micro-USB auf USB-C besorgen – damit lässt sich dann ein handelsübliches Micro-USB-Kabel, wie ihr es fürs Handy benutzt, einsetzen. Alternativ besorgt ihr euch ein USB-C auf USB-A Kabel oder eine USB-C Adapterkarte..

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Anleitung auf deutsch: So installiert ihr VRidge

  • Zuerst müsst ihr eure Oculus Quest in den Entwicklermodus schalten. Die Option findet ihr in der Oculus-App. Um sich als Entwickler anzumelden, reicht es im darauf folgenden Dialog einen Namen für euer Entwicklungsstudio einzugeben – nein, es verlangt niemand, dass ihr dann auch ein Spiel entwickelt! – und schon lässt sich der Modus einschalten. Praktisch: Im Entwicklermodus könnt ihr auch die Guardian-Begrenzungen umgehen und einen größeren Spielbereich nutzen.
  • Verbindet nun die Quest mit dem PC via USB.
  • Ladet euch HIER die apk Datei von VRidge für Oculus Quest herunter und speichert sie in einem Verzeichnis auf eurem PC.
  • Ladet nun HIER das Android ADB Tool herunter und speichert es ebenfalls auf dem PC.
  • Entpackt das Android ADB Tool in einen neuen Ordner
  • Kopiert die VRidge apk Datei ebenfalls in diesen neuen Ordner
  • Öffnet den Ordner mit dem Explorer
  • Klickt innerhalb des Plattform-Tools Orders mit gedrückter SHIFT-Taste mit dem rechten Mausbutton auf eine freie Stelle und wählt „Powershell-Fenster hier öffnen“ aus.
  • Mit an den PC angeschlossener Quest könnt ihr jetzt   .\adb devices  eingeben (copy&past aus diesen Text notfalls) um zu testen ob ADB die Quest erkennt.
  • Schaut jetzt ob in der Quest ein Benachrichtigungsfenster erschienen ist – hier könnt ihr den Zugriff des ADB-Tools freigeben.
  • Installiert nun VRidge in dem ihr folgenden Befehl in das Powershell-Fenster eingebt:  .\adb install -g VridgeQuest1.apk

Das war es auch schon, VRidge ist auf der Quest installiert. Ihr findet die Verknüpfung in der Bibliothek der Quest unter „unbekannte Quellen“. Startet dort VRidge, es wird euch sagen, dass das Tool jetzt auf den PC wartet.

Dort solltet ihr die Riftcat-Software installiert haben, ihr könnt sie HIER herunterladen. Achtet darauf, dass Quest und PC sich im gleichen Netzwerk befinden. Wir raten zudem dringen zur Nutzung eines WLANs mit 5 GHz, alles andere ist Zeitverschwendung aufgrund schlechter Übertragungsqualität.

SteamVR mit der Quest

Steam und SteamVR müssen natürlich ebenfalls auf dem PC installiert sein. Der große „Play“-Button im Riftcat-Fenster startet dann SteamVR und schon wird der PC-Inhalt auf die Quest gestreamt. Je näher ihr an eurem WLAN-Router herangeht, desto besser ist übrigens die Qualität, zu weit entfernen solltet ihr euch generell nicht. Innerhalb der Riftcat-Anwendung lassen sich unter „erweiterte Einstellungen“ noch einige Details tweaken: Stellt beispielsweise die Auflösung von den standardmäßigen 1.920×1.080 auf 2.560×1.440 um ein deutlich schärferes Bild zu erreichen – das geht aber nur mit ausreichend WLAN-Bandbreite.

Für die Kompression der Videodaten sollte euer PC zudem etwas Rechenleistung übrig haben. Am besten geht es momentan über Nvidia-GPUs, deren Encoder sich als sehr effizient erwiesen hat. Und natürlich muss der PC schnell genug sein um auch das gestreamte VR-Spiel flüssig anzeigen zu können. Eine VR-Brille muss aber sonst nicht am PC hängen, VRidge emuliert das vollständig.

Mechsimulator Vox Machinae jetzt im Early Access
Vox Machinae: Mit VRidge leidlich spielbar

Latenzen, der Feind eines jeden Streamers

Nun hat es einen guten Grund weshalb Rift und Vive üblicherweise per Kabel oder aufwändig mit 60-GHz-Funk verbunden werden. Consumer-WLAN mit 2,4 oder 5 GHz bietet deutlich weniger Bandbreite, dazu kommt eine starke Verzögerung durch die Kompression und Übertragung der Daten. Ein Problem, das auch Google Stadia hat: Bei VR sind hohe Latenzen tödlich. Nun gut, nicht direkt tödlich aber sehr sehr unangenehm. In Spielen äußert es sich in Form einer sehr gut spürbaren Verzögerung zwischen Bewegung und Anzeige, Kopfdrehungen fühlen sich oft an wie unter Wasser. Auch die Controllerbewegungen kommen nicht schnell genug an, die Hände „schwimmen“ hinterher.

So lassen sich zwar einige Adventures leidlich spielen, spätestens wenn es auf Präzision oder Reaktion ankommt versagt das Streaming aber vollkommen. Selbst mit einem schnellen 5-GHz-WLAN und in der Nähe des Routers sind nicht nur das deutlich schlechtere Bild sondern immer auch die Verzögerungen bei Bewegungen zu spüren. Multiplayer verbietet sich da schon automatisch.

Dazu kommen, zumindest bei der noch sehr jungen Version von VRidge, Probleme mit der Controllerbelegung: Quest-Nutzer spielen mit einem Oculus-Controller, VRidge emuliert SteamVR und zeigt auch Vive Wand Controller an. Die Buttonbelegung wirkt dabei eher zufällig als standarisiert – viele Spiele wie SkyrimVR lassen sich so überhaupt nicht spielen, da nicht jeder Button funktioniert. Bei In Death gab es keine Möglichkeit zum Teleportieren, was das Spiel latent überflüssig macht. Vox Machinae ging zwar von der Steuerung her, Gegner zu treffen ist aufgrund der Latenz aber ein Glücksspiel. Und selbst mit 50 MBit Übertragungsgeschwindigkeit stören in Kampfsituationen starke Bildartefakte und Ruckler.

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Fazit: Hat Potential aber auch große Baustellen

Leider nicht ganz so geil – zumindest aktuell. Die aktuelle Version von VRidge für Quest ist in einem sehr frühen Entwicklungsstatium, daher nehme ich den Entwicklern viele Probleme nicht übel. Wenn ihr aber 14,99 Euro investieren wollt um SteamVR-Spiele mit der Quest zu zocken muss ich euch zum aktuellen Zeitpunkt aber abraten. Mehr als ein nettes Experiment ist das Streaming noch nicht – VRidge für GearVR und Go zeigt aber, dass mit Optimierungen der Software sicher noch einiges rausgeholt werden kann. Aber: Ihr werdet auch mit den besten Optimierungen niemals ein 1:1-Erlebnis wie am PC haben. WLAN bietet auch mit 5 GHz zu wenig Bandbreite um auf eine starke Kompression verzichten zu können. Noch schwerer wiegen aber die Latenzen die beim Benutzen der 6DOF-Controller entstehen – hier geht es um Millisekunden, die sich nicht so einfach einsparen lassen. Für Onward oder Contractors wird WLAN-Streaming wohl auch in den nächsten Jahren eher nicht zu gebrauchen sein.

Beachtet aber: Es handelt sich noch um eine frühe Version des Tools für die Quest und das Streamingergebnis ist stark vom genutzten WLAN abhängig (USB-Verbindungen funktionieren (noch) nicht). Zwar haben wir die Versuche in unmittelbarer Nähe zum 5-GHz-Router vorgenommen, der genutzte Router (Telekom Hybrid) ist aber nicht für sein hochwertiges WLAN-Signal bekannt. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Versuche mit anderer WLAN-Hardware unternehmen.

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5 Kommentare

  1. VR-Streaming über WLAN?
    Da bekomme ich ja schon vom Lesen Motionsickness.

    Das Signal muss viel zu viele Stationen passieren.
    Wenn kabellos, dann über eine PCIe-Karte und einen potenten Sender direkt am Computer, sonst lässt sich der Inputlag nicht bewältigen.

  2. also ich finde es erstaunlich gut wenn man HEVC einschaltet… hab nur wenig ruckler, mir scheint dass schwächste Glied in der reihe ist dass wlan modul der ocolus quest… dass einzige wass mich stört ist dass man die controller der quest nicht angezeigt bekommt, aber hat steam nicht Controller profile angekündigt ?

  3. Klappte bei mir mit der FritzBox 7590 ganz gut, ab und an gab es aber Artefakte. Aber ich hatte keine Vibration in den Controllern. Aber Potential ist da vorhanden.

  4. Hallo zusammen,

    ich habe das gestern mal ausprobiert und folgendes ist mir aufgefallen:
    Wenn man ein 5Ghz Netzwerk nutzt und HEVC bei VRidge aktiviert ist keine Latenz spürbar! Einfach Wow!
    Die Installation ist inzwischen viel einfacher und man kann es auch bei VRidge nachlesen, es muss nur noch ein Script ausgeführt werden -> fertig!

  5. Ich habe ALVR auch probiert. Beim HEVC Modus, sehe ich den Steam Raum (nicht Home) aber kein Bild. Habe eine Nvidea 1080. Liegt es an meiner Grafikkarte? Läuft bei mir nur unter der anderen Einstellung (fällt mir gerade nicht ein). Damit es gut aussieht muss ich aber auf 150% und 31Mpg gehen. Wie kann man das Controller mapping ändern? Kann man auch den Grad des Controllers ändern? Irgendwie fühlen die sich komisch an (z.B Skyrim)

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