Hollow Remnant: Master oder Desaster?

Hollow Remnant ist ein im mittelalterlichen Stile angesiedelter Wave-Shooter. Düster, große Umgebungen, viele Waffen. Aber macht dieses „VR-Erlebnis“ auch Spaß?

Trinity Experiences lies uns freundlicherweise Keys zukommen, um deren neuestes Werk zu testen. Und wer einen reinen Wave-Shooter erwartet hat, bekommt auch genau diesen. Aber einen Schritt nach dem Anderen.

Es war einma… Nein… Es beginnt mit dem Tutorial. Etwas verwirrt wacht man in einer alten Zelle auf, versucht sich umzuschauen und erblickt zwei Skelette, die außerhalb der Zelle regungslos herumlungern. Man hört einen Grunzer und das Bild wird dunkel. Nach kurzer Zeit steht man, wie von Zauberhand transportiert, nun außerhalb der ungepflegten Einsperrvorrichtung auf dem Gang und ein grünes Irrlicht erscheint. Wohl dem, der seine Lautstärke heruntergedreht hat, denn beim ersten Mal erfolgte ein Tinitus, da diese Stimme, die aus diesem wabernden Irrlicht drang, so dermaßen laut war, dass einem nicht nur das Sehen, sondern auch das Hören verging.

Es erfolgt ein kleiner Monolog des Lichts, es werden die Grundfunktionen des Teleports erklärt. Man folgt dem Licht zu den ersten Waffen (gekrümmte Messer, indischen Gurkhas nicht unähnlich), erledigt damit herannahende Gegner, dann folgt der Bogen, es passiert das Gleiche und als Letztes bekommt man den Zauberring, den das Licht aber als einen „Nicht-Ehering“ bezeichnet. Sehr humorvoll, diese Wabbelfunzel…

Und so geschah es, dass dieses „Tutorial“ beendet war und die große, weite Welt wartete auf uns…

 Story:

Reise durch die Schatten der mittelalterlichen Fantasie als hohler Überrest. Zum Leben vergessen, aber ohne den Tod zu kennen, gehst du entlang eines Schleiers fragmentierter Seelen. Kämpfe gegen das, was im Dunkeln wohnt.

Uuuuuund CUT!

Das ist die Beschreibung des Spiels, quasi die gesamte Story.

 

Dann lasst uns mal gucken: Die Optik!

Die Grafik ist tatsächlich einer der positiven Erfahrungen in diesem Spiel. Es ist zwar sehr düster, also wirklich seeeehr düster, aber das, was die Gameraugen umschmiegt, macht wirklich einen guten Eindruck. Die Gegner sind teils echt eklig modelliert, was als Kompliment gemeint ist, deren Animationen sind aber eher hölzern. Die Umgebungen sind passend, zweckmäßig und wirklich völlig ok. Ein Blick bei Tageslicht wäre vielleicht noch schick, um alle Details einmal in Augenschein nehmen zu können, aber so passt die Kombination Spielprinzip / Grafikstil. Neben der teils zu krassen Dunkelheit täte es dem Spiel gut, die Partikelanimationen, bzw. deren Menge etwas zu reduzieren. Viele blitzende, blinkende, hell strahlende Lichtfetzen machen einem das Sehen in der Dunkelheit schwer, aber da wird schon auf höherem Niveau gemeckert. Das Dunkel soll die Spannung erhöhen und das tut es auch. Also gewissermaßen.

Die Waffen sehen auch recht gut aus, teils schöne Detailausarbeitung, was man von den Händen nicht sagen kann. Nette Ansätze, aber leider nicht zu Ende gebracht. Da könnte man noch nachpatchen, aber wer achtet beim Herumschießen mit Pfeilen gegen grimmig dreinschauende Gegner auf seine Handschuhe? Na, ich! Zumindest vorher. Das ist alles Teil der Immersion und fällt leider sofort auf. Wem solche Details egal sind, der macht diesbezüglich aber auch keinen Fehler.

Welcome to the Sound…

Nun, viel falsch macht Hollow Remnant nicht. Es ist finster, der Sound auch. Sobald eine neue Welle an Gegner erscheint, ertönt ein schauerlicher Ton und man sieht sich hektisch um, denn die Gegner kommen aus verschiedenen Richtungen. Die Soundeffekte sind durchweg gelungen, schöne Musik, die ein Spielerohr umschmeicheln und das Spiel generell noch stimmungstechnisch untermalen sollte, fehlt leider. Neben der reinen Optik macht das Spiel in punkto Sound eigentlich alles richtig. Es fehlt halt nur der Stimmungsmacher Musik, aber da scheiden sich die Geister.

Herr Kapitän! Die Steuerung!

Gute News für Linkshänder: Auch ihr seid berücksichtigt worden. Man kann mit einem Tippen die Steuerung von Rechts nach Links spiegeln und bei Bedarf auch wieder zurück.

Mit einem Tastendruck löst man Magie aus, mit der Grip-Taste holt man sich die Gegenstände heran (Waffen), mit eine Taste kann man Werfen, Pfeil und Bogen ist klar… Also scheint alles klar im Staate Hollow Remnant zu sein. Aber leider ist dem nicht so…

Heutzutage sollten in jedem Spiel, welches sich selbst als „VR-Experience“ bezeichnet, folgende Funktionen enthalten sein: Freie Tastenbelegung, Teleport und Free Locomotion (also „freie, flüssige Bewegung“). Heuer befindet sich nur die Teleport-Funktion im Portfolio. Es mag zwar für empfindsame Leute toll sein, um der Motion Sickness vorzubeugen, aber ich persönlich bin überhaupt kein Freund vom Teleport. Immersion gleich Null und wenn man mit Magie, Herumwerfen und Bogenschießen bei gleichzeitigem Umsehen und Bekämpfen von Gegnerwellen beschäftigt ist, dann möchte man nicht mit einem Druck die Richtung und Entfernung des Teleports bestimmen, um mit einem weiteren Tastendruck dann erst teleportiert zu werden. So viel Multitasking möchte man nicht, denn ein Spiel sollte im positiven Sinne stressen. Wer dennoch darauf steht, der wird vollauf bedient.

Fazit:

Hollow Remnant, ein finsterer Mittelalter-Wave Shooter. Nicht weniger, leider aber auch nicht viel mehr. Man fühlt sich optisch und auiophil gut aufgehoben, wenn da leider nicht die teils immersionstötenden Details wären. Nur Teleport, das Spielprinzip an sich erinnert eigentlich an Moorhuhn, nur derbe aufgepeppt, erzwungene Steuerung durch nicht frei belegbare Tasten.

Anfangs ist es sogar witzig, mit einem Ruderboot „lebensecht“ loszupaddeln, aber nach dem zehnten Mal ist auch dort die anfängliche Begeisterung verflogen. Wer der englischen Sprache nicht gewachsen ist, der wird auch hier keine Freude haben. Keinerlei Untertitel, kaum Hilfe beim Tutorial. Man fühlt sich in das Spiel hineingeworfen. Der Titel erinnert ein wenig an In Death, allerdings in nicht gut. Es kommt einfach keine Stimmung auf und die Langzeitmotivation hält sich dadurch sehr schwer in Grenzen.

Ich finde es toll, dass der Hersteller Keys zu Verfügung stellt, damit man den Leuten einen Ersteindruck vermitteln kann. Doch leider habe ich hier eher mehr negative Erfahrungen gemacht, die ich nicht verheimlichen darf. Wer auf Wave-Shooter steht und für den es nichts Schöneres gibt, der ist gut bedient und Trinity Experiences verspricht auch weitere Verbesserungen, aber bis die da sind, kann man als Nichtvergötterer von Wave-Shootern leider keine Kaufempfehlung aussprechen.

Über Geschmäcker lässt sich bekanntermaßen streiten. Wenn ihr anderer Meinung seid, dann einfach mal in die Kommentare posten.

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