Demeo ist ein VR-Highlight (nicht nur) für Fans von D&D und Tabletop-Rollenspielen (Test)

Ab und zu gibt es sie, die unerwarteten VR-Perlen, die wie aus dem Nichts ganze Nächte rauben. Demeo ist eine solche Perle und wir sagen euch, warum wir das denken.

Ich gestehe, in meiner Jugend (irgendwann zwischen Anfang und Mitte der 1990er) war ich Nerd. Nicht nur PC-Freak sondern auch Rollenspieler. Plötzlich tauchte da nämlich jemand im Freundeskreis auf, der so ziemlich jedes Rollenspiel-Regelwerk und jedes Tabletop-Strategiespiel auf dem Markt in seinem Zimmer gebunkert hatte. Danke, Tobias, du hast mein Leben sehr geprägt. In Folge dessen verloren sogar C64 und PC an Faszination, stattdessen spielte ich mit meinen Freunden nächtelang AD&D nach selbst optimierten Regeln, Warhammer, Mechwarrior und zwischendurch immer wieder auch eine Runde Hero Quest.

Diese Zeiten sind lange vorbei, der Freundeskreis hat sich in alle Richtungen versprengt und für regelmäßige Rollenspielrunden fehlt es oft an Muße. Bis, nun, bis Demeo auftauchte. Das neueste Spiel von Resolution Games (Angry Birds, Carly and the Reaperman, Bait, etc) ist für mich nicht nur eine wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit sondern ganz nebenbei euch ein liebevoll gestaltetes VR-Spiel für Quest und PC mit Multiplayer-Fokus.

Demeo ist Hero Quest in VR

Wer bisher nicht so recht verstanden hat, wovon der alte Sack da die ganze Zeit redet – Tabletop-Rollenspiele wie Hero Quest sind im Grund eine strategische Simulation eines Dungeons. Jeder Spieler verfügt über einen, seinen, Helden, idealerweise begleitet von anderen Mitspieler-Helden. Gemeinsam durchstöbert man dann ein Verlies, Höhlen voller Gegner oder feindliche Burgen auf der Suche nach Schätzen, einer Prinzessin, einem Drachen (mitunter gibt es da nur wenige Unterschiede) oder einfach nur dem Ausgang. Jeder Held hat bestimmte Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände, die im Kampf sinnvoll eingesetzt werden wollen. Gegnerische Treffer lassen die Lebenspunkte schwinden, Heiltränke oder Zauber bringen sie  zurück, eigene Schläge hingegen töten im Idealfall das feindliche Ungeziefer. Um richtiges Rollenspiel bei dem es um einen wirklich ausgespielten Charakter geht, handelt es sich eher nicht, der Fokus liegt auf Kampf und Gold. Ähnlich liefen allerdings oft auch die Kämpfe einer (A)D&D-Kampagne ab – strategisch, rundenbasiert und mit hübsch bemalten Zinn- oder Plastikfiguren.

Die gelben Umrandungen zeigen die Reichweite unseres Helden.

Demeo schafft es fast perfekt, genau diese Kämpfe in die virtuelle Realität zu übertragen. Bis zu vier Mitspieler können sich verabreden oder im Quickmatch treffen. Jeder sucht sich seinen Wunschhelden – Krieger, Schurke, Magier oder Bogenschütze (wobei jeder nur einmal vorhanden sein darf) – aus und schon öffnet sich das Tor zum Verlies. Die eigentlichen Dungeons werden bei jeder Runde neu gestaltet und mit zufällig platzierten Gegnergruppen und Schätzen befüllt. Das sorgt für ein wenig Abwechslung, kann aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass es Demeo noch an verschiedenen Umgebungen und Vielfalt fehlt. Bislang gibt es beispielsweise nur ein spielbares Abenteuer, in dem wir auf drei Dungeon-Ebenen zum finalen Boss gelangen müssen. Ein weiteres Abenteuer rund um die Klassiker der Rollenspielgegner, Rattenmenschen, soll im Sommer folgen. Bitte Resolution Games – entwickelt mehr Umgebungen und Feinde und gebt uns Spielern einen Leveleditor für eigene Inhalte – euer Spiel könnte damit unsterblich werden. Oder wie wäre es mit einem Spielleitermodus in dem ein Spieler die Gegner platziert und spielt?

Hereingezoomt fehlt es zwar etwas an Übersicht, dafür sieht es aber durchaus hübsch aus.

Grafisch schwankt die Qualität von Demeo je nach Plattform – an eine Grafikpracht von Half Life Alyx dürfte bei einem Tabletopspiel wohl niemand denken, allerdings wirkt die Umgebung auf der Oculus Quest 1 doch etwas sehr krümelig, auf der Quest 2 sieht’s schon besser aus. Nah herangezoomt zeigen sich aber generell viele schöne Details. Durchaus beeindruckt war ich allerdings von der PC-Version, die ich mit der HP Reverb G2 gespielt habe. Hier sind Texturen und Umgebungen knackscharf und es fühlt sich gerade herangezoomt tatsächlich an wie ein Tabletop-Spielbrett. Ok, die (abschaltbare) 80er-Jahre-Nerdkellerumgebung ist weit ab von Fotorealismus, das stört aber absolut nicht. Dafür sind die Spielfiguren, Schatzkisten, Wände und Fallen sehr liebevoll gestaltet. Und dank des gemächlichen Rundenprinzips bleibt viel Zeit um diese Details zu genießen.

Oculus Quest (1) leidet unter fehlender Auflösung und Rechenleistung, weiter herausgezoomt flimmert die Grafik daher stark. Auch die Partikeleffekte beim Zaubern wurden abgespeckt – hier bietet die Version für Quest 2 mehr.

Unser Autor CatNoir hat Quest 2 und PC (via Airlink mit der Steam-Version) verglichen:

Grafikvergleich – Steam vs. Quest 2 Version

Die Quest Version steht was Spielspaß angeht der Steam Version in nichts nach. Doch sieht man die grafisches Unterschiede bei der PCVR Version schon enorm. Die Charaktermodelle wirken viel detaillierter und auch die Umgebungstexturen weisen mehr Merkmale auf. Auch sind die Texturen allgemein in der PCVR Version schärfer dargestellt. Einzig allein die Partikeleffeckte können sich bei beiden Versionen sehen lassen, wenn zum Beispiel Teleportationseffekte oder Zauber angewendet werden. Auch die Aufschriften der Karten sehen bei der minimal  PCVR Version besser aus und lassen sich somit auch ein wenig besser lesen (wobei das natürlich auch von eurer VR-Brille abhängt – mit der Reverb G2 ist es, als hättet ihr ein Buch vor Augen, mit der Original-Vive eher schlechter als mit Quest 1). Anbei habt ihr ein paar Vergleichbilder der Quest Version gegen die PCVR Version (via Air Link).

Besonders gut sind die Unterschiede der Grafikqualität hier bei diesem Frost-Behälter zu sehen.

 

Die Texturen der Quest-2-Version sind niedriger auflöst und mit weniger zusätzlichen Grafikeffekten aufgewertet gegenüber der SteamVR-Version.

 

Bei den Karten gibt es keine gravierenden Unterschiede, die Texte der Quest-Version sind allerdings etwas weniger scharf.

 

Demeo ist auch auf der Quest extrem gut spielbar, die kleinen grafischen Unterschiede fallen aufgrund der guten Steuerung und des Spielprinzips nicht ins Gewicht.

Gelungene Steuerung, auch für Einsteiger

Ebenfalls ein Pluspunkt ist die Steuerung des Spieles. Sie überfordert durch den Verzicht auf viele Buttons auch Einsteiger nicht. Das Spielfeld lässt sich mit einfachen Handbewegungen + Gripbutton frei drehen und zoomen, so dass der Spieler jederzeit alles im Überblick hat. Durch das rundenbasierte Spielprinzip entsteht auch keine Hektik dabei. Mitspieler sind als angedeutete Brillen und an ihren Händen zu erkennen und natürlich per Sprachchat zugeschaltet (deaktivierbar wenn ihr eure Ruhe wollt). Der Chat ist wichtig, immerhin sollte so eine Heldengruppe sich absprechen und nicht wild als Solokämpfer durchs Dungeon ziehen. Je besser die Zusammenarbeit, desto höher die Chance auf Erfolg.

Haben euch Gegner nämlich erst einmal gesehen, strömen nicht nur sie sondern oft auch andere aus bisher verborgenen Räumen in eure Richtung um euch aus dem Verlies zu werfen. In kleinen Stücken, so tot wie es geht – das wollt ihr nicht. Hier zeigt sich dann der strategische Aspekt – der Bogenschütze und der Magier sollten nicht unbedingt an erster Stelle kämpfen, da ist der Tank besser geeignet. Dieser kann nämlich seine Rüstung erneuern, was nichts anderes als freie Lebenspunkte in jeder Runde bedeutet.

Mit den Spielkarten setzt ihr Sonderfähigkeiten und Zauber ein.

Fertigkeiten wie eben diese Rüstungserneuerung, ein betäubender Blitzschlag vom Magier oder Giftpfeile beim Bogenschützen werden mit Spielkarten angezeigt und eingesetzt. Karte ziehen, über die jeweilige Figur (Freund oder Feind, je nach Einsatzzweck) halten, fertig. Einige Karten wie das Magie-Blitzdings sind in jeder Runde einmal nutzbar, andere Karten verschwinden nach dem Einsatz. In Schatztruhen und bei Level-Ups gibt es aber Nachschub, zufälligen. Am Ende jeder Ebene solltet ihr dann genug Gold gesammelt haben um im Shop neue Karten kaufen zu können. Apropos Gold – noch so ein taktischer Aspekt: Sammle ich jetzt das Gold und riskiere angegriffen und getötet zu werden oder flieht die Gruppe lieber schnell mit dem jüngst erbeuteten Schlüssel zum Levelausgang? Im Shop zeigt sich dann, ob die eigene Taktik klug war.

Die Würfel sind gefallen

Gekämpft wird, ganz rollenspieltypisch durch Würfeln. Der Würfel enthält eine große Anzahl Felder mit einem Schwert und deutlich weniger mit zwei gekreuzten Schwertern und einem Totenschädel. Ein Schwert bedeutet, der Angriff ist normal gelungen, die Wahrscheinlichkeit ist am größten. Gekreuzte Schwerter stehen für einen kritischen Treffer mit doppeltem Schaden. Der Totenschädel für einen Patzer bei dem ihr im schlimmsten Fall sogar eure eigenen Leute verletzt. Tatsächlich fühlt sich das Würfeln durchaus natürlich an – der Würfel rollt sogar von Erhebungen auf dem Spielfeld und in kritischen Situationen starrt jeder der Mitspieler gebannt um bei einem kritischen Treffer in Jubel auszubrechen.

Motion Sickness: Null

Wenn ihr unter Motion Sickness leidet haben wir gute Nachrichten: Durch die feste Perspektive ohne künstliche Fortbewegung ist das Spiel auch für sehr anfällige Spieler problemlos stundenlang spielbar. Bei uns testet abraxa als auch nach Jahren VR immer noch MS-empfindliche Person und sie gibt einen Daumen hoch.

Wer im Level genug Gold gesammelt hat, kann es zwischendurch für lebenswichtige Extrakarten ausgeben.

Fazit Dod: Ein VR-Juwel nicht nur für Rollenspielfans

Ihr merkt: Ich bin begeistert. Demeo zieht mich nicht nur in meine Jugend zurück, es ist auch unabhängig davon extrem kurzweilig. „Nur noch eine Runde!“ – das dachten Webmistress Abraxa und ich uns gestern und auf einmal wars es wieder fast Mitternacht. Zwar gibt es in Demeo einen Solomodus, bei dem man alle Spielfiguren selbst steuert – viel mehr Spaß bringt es aber in einer Runde mit anderen Menschen. Perfekt wäre es natürlich, es mit seiner damaligen Rollenspielrunde zocken zu können. Dank VR ist in diesem Punkt eine Pandemie ja nicht einmal ein Hinderungsgrund.

Daher mein Fazit: Demeo ist nicht nur ein VR-Juwel, das sich weder bei Grafik noch Steuerung noch Spielprinzip wirkliche Patzer erlaubt (ok, am Umfang müssen sie noch arbeiten) sondern auch mein persönliches VR-Highlight des bisherigen Jahres. Und damit hätte ich selbst noch am wenigsten gerechnet.

Das Spiel ist bei Steam für Oculus Rift, WMR, Index und co erhältlich sowie im Oculus Store für Oculus Quest. Eine Version für Oculus Rift fehlt im Oculus Store noch, soll aber demnächst erscheinen – und das sogar mit Crossbuy, so dass Quest-Käufer auch die Rift-Version besitzen. Crossplay zwischen Quest und PC bietet Demeo ebenfalls. Mit 24,99 Euro ist das Spiel nicht unbedingt preiswert im Vergleich, allerdings habe ich nicht einen Cent davon bereut (tatsächlich haben wir die Steam-Version auf eigene Kosten angeschafft). Übrigens: Demeo soll demnächst auch eine Flat-Version für alle ohne VR-Headset bekommen und es soll Crossplay auch mit dieser Version geben.

Demeo
Demeo
Entwickler: Resolution Games
Preis: 19,99 €

Einige der Links in diesem Artikel sind (unter Umständen) sogenannte Affiliate-Links. Mit einem Kauf über einen dieser Links bekommen wir eine kleine Provision, für euch ändert sich nichts.

3 Kommentare

  1. Super Artikel, ich kann dem nur zustimmen.
    Grundsätzlich bin ich über jedes VR Game froh, dass mal kein Horror survival, Escape room, Puzzle, Wave-Shooter oder Rhythmus-Spiel ist.
    Demeo ist richtig gut und straft alle Leute Lügen, die immer Ego-Perspektive und volle VR Controller Steuerung fordern.
    Es gibt auch sehr gute VR Spiele, die nicht immer die Ego-Perspektiv-Immersion bieten (z.B. Moss, Astro-Bot, Hellblade:Senuas sacrifice, Down the rabbit hole, Final assault etc.)

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.