Welche Grafikkarte für VR? Ratgeber für Oculus Rift S, Pimax, HP Reverb und Valve Index (Update Juli 2019)

Virtual Reality stellt hohe Anforderungen an die Grafikkarte – doch wie viel Power braucht eure GPU wirklich? Ein Ratgeber für die aktuellen VR-Brillen (Update: Juli 2019).

Auch wenn mobile VR-Brillen wie Oculus Quest gar keinen PC und damit auch keine Grafikkarte brauchen: Für die Grafikpracht vieler SteamVR-Titel braucht es dann doch ein ausreichend flottes PC-System. Dabei müsst ihr zwar auch auf einen nicht zu langsamen Prozessor und ausreichend Arbeitsspeicher achten – ausführliche Kauftipps gibt es in unserer PC-Kaufberatung für VR-PCs – wichtiger ist aber weiterhin die GPU.

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Wenn ihr nicht gerade CPU-Leistung zum Frühstück fressende Simulationen in der virtuellen Realität spielt oder ihr dabei in hoher Qualität (und ohne Zuhilfenahme der GPU) streamen wollt, wird euch ein halbwegs aktueller Quadcore-Prozessor von Intel oder AMD ausreichen. Angesichts immer günstigerer CPUs mit sechs und mehr Kernen dürfte diese Anforderung relativ leicht zu erfüllen sein. Gleiches gilt beim RAM: Mit 8 GByte kommt ihr gerade noch hin, besser sind 16 GByte. Eine SSD gehört inzwischen zur Pflichtausstattung eines Gaming-PCs, daher verlieren wir hier gar nicht erst viele Worte.

Am Ende der einzelnen Beratungs-Abschnitte gibt es die erwähnten Grafikkarten bequem verlinkt, wir achten dabei nur auf seriöse Shops mit vertretbaren Preisen zu verweisen. Da es sich um Affiliate-Links handelt, verdienen wir bei einem Verkauf eine kleine Provision – das hat aber weder auf euren Kaufpreis noch auf unsere Empfehlungen eine Auswirkung. Diese zeigt sich aber bei der Finanzierung der VR-Legion: Wir müssten eigentlich dringend auf einen teureren Server umziehen..

Exkurs für Interessierte: VR-Systemanforderungen erklärt

Als HTC Vive und Oculus Rift im Jahre 2016 gestartet sind, lagen die Systemanforderungen auf hohem Niveau: Mindestens eine GTX 970 oder AMD 390 sollte es sein, besser geeignet waren aber teure Luxus-GPUs wie die GTX 980 Ti. Seitdem herrscht das Vorurteil, VR würde jede verfügbare Grafikkarte überfordern. Allerdings blendet dieses Vorurteil einige technische Entwicklungen der letzten Jahre aus.

So senken ASW, Motion Smoothing und Brainwarp die Anforderungen an die GPU recht massiv, da dank Zwischenbildberechnung effektiv nur noch halb so viele Bilder berechnet werden müssen – statt 90 FPS beispielsweise 45 FPS. Pimax bietet hier sogar noch eine Reduktion der Display-Refreshrate an, so dass ihr auch mit 35 FPS theoretisch flüssig spielen könnt.

Hersteller wie Valve und Pimax (aber auch Oculus bei der Go) haben zudem verstanden, dass weniger Fliegengitter nicht automatisch eine höhere Auflösung erfordert. LCDs mit RGB-Stripe-Matrix bieten 33% mehr Subpixel im Vergleich zu den Pentile-OLEDs in Vive und Rift und damit auch deutlich weniger störende Screendoor-Effekte. Dazu kommt bei RGB eine gerade für Textlesbarkeit bessere Anordnung der Pixelstruktur: Das Bild wirkt oft ruhiger als mit Pentile und das ohne die GPU stärker zu fordern – für zusätzliche Subpixel muss die GPU nicht mehr schuften.

AMD Radeon RX570
Der VR-Einstieg gelingt schon mit der günstigen RX570 von AMD

Für den VR Einstieg: GTX 1660 (Ti) / RX 570

Oculus hat mit der Rift S zudem keinen technisch stark aufgewerteten Nachfolger der Rift CV1 vorgestellt sondern einen nur behutsam überarbeiteten Ersatz. Bedeutet bei den Anforderungen an die GPU: Es bleibt alles beim Alten. Ab einer GTX 970 könnt ihr auch mit der Rift S zocken, wenngleich eine etwas aktuellere GPU durchaus sinnvoll wäre, schon alleine aufgrund des wenig zeitgemäßen Videospeichers der GTX 970.

Auch aufgrund von neuen Features bei den Shaderberechnungen raten wir daher eher zu einer modernen GPU, diese muss nicht einmal allzu teuer sein. Eine GTX 1660 beispielsweise setzt auf Nvidias aktuelle Turing-Architektur mitsamt VR-freundlicher Shaderfunktionen. Das für Fixed Foveated Rendering wie bei Pimax genutzte Raytracingfeature fehlt der Karte allerdings.

Die reine Performance der GTX 1660 bewegt sich auf dem Niveau einer GTX 1060 aus der Vorgängergeneration. Solltet ihr eine GTX 1060 (wichtig: 6 GByte, das Modell mit 3 GByte ist auch bei der GPU beschnitten) zum Spottpreis von 100 bis 150 Euro bekommen: Nehmt ruhig die, bei preislichem Gleichstand spricht mehr für die modernere Karte. Oder ihr legt ein paar Euro drauf und schaut euch die GTX 1660 Ti an: Diese Karten haben mehr Recheneinheiten und arbeiten auf dem Leistungsniveau der GTX 1070. Oder ihr greift gleich zu einer GTX 1070, die es aktuell im Abverkauf recht günstig gibt. Eine GTX 1660 Ti gibt es ab etwa 250 Euro, wie die 1060 und 1660 bietet diese Karte 6 GByte Videospeicher, der für VR mit Rift S oder HTC Vive sowie der ersten WMR-Generation ausreicht. Die GTX 1070 hingegen profitiert in Zukunft wohl stärker von ihren 8 GByte und ist daher durchaus ein Restposten-Tipp.

Bei AMD wird es sogar noch günstiger: Die empfehlenswerte RX 570 gibt es mit satten 8 GByte schon ab 149 Euro. Ihre Leistung liegt etwas unter der einer GTX 1060, im mittlerweile ein dreiviertel Jahr andauernden Test mit der Oculus Rift CV1 zeigt sie sich aber vielen VR-Spielen gewappnet, wenngleich klar zu langsam für ausufernde Supersampling-Einstellungen und oft auch für hohe Spieldetails. Etwas flotter sind Karten mit RX 580 und RX 590, vor allem letztere fällt momentan stark im Preis und schlägt auch eine GTX 1060. Noch flotter wird es im Abverkauf der Vega 56, die etwa auf dem Niveau von GTX 1660 Ti /1070 rechnet und teilweise schon für 250 Euro zu haben ist – inklusive 8 GByte HBM-Speicher an Bord. Auch die Vega 64 findet sich vereinzelt für unter 300 Euro.

 

Nvidia RTX 2060
Mehr Leistung für höher auflösende HMDs bietet die RTX 2060 von Nvidia

GPU für die VR-Mittelklasse: RTX 2060 und 2070 Super, AMD RX 5700 (XT)

Eine Leistungsklasse höher hat AMD seit kurzem erst wieder etwas anzubieten: Die RX 5700 duelliert sich mit Nvidias RTX 2060, die RX 5700 XT nimmt es mit der RTX 2070 auf – zu den neuen Super-Modellen von Nvidia sind sie noch ein paar Prozent entfernt. Aufgrund eben dieser RTX Super genannten Karten ändern sich in der Mittelklasse unsere Empfehlungen gegenüber dem Vormonat komplett: RTX 2060 und 2070 ohne Super fliegen raus, da die Super-Modelle ihren Platz preislich einnehmen, dabei aber mehr Leistung bieten.

Zwar könnt ihr mit dem Kauf einer RTX 2060 ein paar Euro gegenüber der 2060 Super sparen – die 2060 gibt es ab 349 Euro, die Super erst ab 419 Euro. Im Gegenzug bietet die RTX 2060 Super aber eine auf dem Niveau der RTX 2070 liegende Performance und 8 statt 6 GByte VRAM. Die unter diesen Gesichtspunkten doch arg beschnittene 2060 würden wir daher nur noch in Ausnahmefällen empfehlen, zumal sie demnächst vom Markt verschwinden wird.

Ähnlich sieht es bei der RTX 2070 und der 2070 Super aus: Die Super-Variante performt auf dem Niveau der RTX 2080, kostet mit Preisen ab 529 Euro aber gut 100 Euro weniger. Eine RTX 2070 ist mit 449 Euro ebenfalls absolut uninteressant angesichts der RTX 2060 Super.

Bei AMD habt ihr ebenfalls endlich wieder eine Alternative: Die auf der neuen 7nm-Fertigung und der RDNA-Architektur basierende AMD Radeon RX 5700 und RX 5700 XT duellieren sich mit Nvidias RTX 2060 und 2070, allerdings ohne „Super“, da diese erst als Reaktion auf AMD erschienen sind. Die älteren RTX-Modelle hat AMD dabei gut im Griff, die Super-Varianten sind aber noch ein paar Prozent entfernt. Das könnte sich mit den für August erwarteten Custom-Modellen der RX 5700 (XT) ändern: Bislang gibt es nur AMDs Referenzdesign, Boardpartner verbauen auf ihren Custom-Karten aber üblicherweise effizientere Lüftungssysteme und legen nicht selten einen höheren Takt an. Es ist zu erwarten, dass Nvidias Super-Karten in Schlagdistanz rücken dürften, allerdings bei nicht unbedingt niedrigeren Preisen.

 

Geforce RTX 2080 Ti
Die aktuelle Königsklasse in Form der 2080 Ti lässt sich Nvidia fürstlich bezahlen..

Teuer aber leistungsstark für HP Reverb, Index und co: RTX 2080 Super und 2080 Ti

Wie bereits erwähnt: Finger weg von der RTX 2070 ohne „Super“-Addon, mit der 2070 Super bekommt ihr die Leistung einer RTX 2080 (von der ihr die Finger ebenfalls lassen solltet) und zahlt mit 529 Euro spürbar weniger. Die 2080 hat ebenfalls ein Super-Pendant bekommen, das den Abstand zur RTX 2080 Ti verringert – preislich und bei der Leistung. Ob sich der Kauf lohnt ist angesichts von durchschnittlich unter 10% Mehrleistung zur RTX 2080 aber schwer zu entscheiden – die immer noch über 1000 Euro teure 2080 Ti bleibt aber auch weiterhin souverän an der Spitze.

Wenn ihr günstig eine gebrauchte GTX 1080 Ti findet, sollte sie schon sehr preiswert sein um die oft fehlende Garantie und die Features der neuen Architektur auszugleichen. Die Leistung einer RTX 2070 Super ist vergleichbar mit der 1080 Ti – aktuell. Durch Optimierungen der GPU-Architektur wie die VR-freundlicheren Shader können sich in Zukunft aber deutlich größere Leistungsunterschiede pro RTX ergeben. Für HPs hochauflösende Reverb VR-Brille reicht die Performance in vielen Fällen aber noch aus, gleiches gilt natürlich für RTX 2070 Super und 2080.

Valves Index hingegen kann auch eine RTX 2080 Ti zum Schwitzen bringen. Die VR-Brille lässt sich mit bis zu 144 Hz betreiben, wer hier flüssige Frameraten um 144 FPS erreichen will, braucht jedes Prozent Rechenleistung. Vergesst auch nicht die CPU, in diesen FPS-Bereichen bremsen langsamere Prozessoren oft. Zwar bietet Valve auch Optionen, die Index mit 80, 90 oder 120 Hz zu betrieben, Motion Smoothing wird ebenfalls unterstützt – alles also, um auch mit kleineren GPUs anständig zocken zu können. Wer hier Kompromisse eingehen kann und will, wird auch mit der RTX 2060 Super gut zocken können.

Wenn euch aber nach Supersampling und hohen Frameraten ist, wird es selbst mit einer RTX 2080 Super unter Umständen bereits knifflig – wir spielen mit einer RTX 2080 und erreichen nur selten durchgehend 120 FPS und wenn dann nur unter Reduktion der Auflösung. Hier müsst ihr im Zweifel selbst entscheiden: Glückliches Bankkonto, weniger Supersampling oder nur 80-90 Hz/FPS.

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1 Kommentar

  1. Nur mal so als Richtwert.
    Ich bin mit einer RTX 2080 (ohne Ti) und einem i5 4690K unterwegs. Das ganze mit 16 Gbyte DDR3 und natürlich SSD-Platten.

    Das verhältnismäßig leistungshungrige Elite Dangerous spiele ich damit auf 130% Supersampling und mit 120 Hz flüssig. Ich gehe damit NICHT unter 60Hz. Die 60Hz sind ja final notwendig, um mit Reprojektion auf 120Hz zu kommen.

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